30.000 Analphabet/innen gibt es in Österreich und 10.000 Bibliothekare, die 2.800 Büchereien betreuen. In Oberösterreich sind von 300 öffentlichen Bibliotheken mehr als 200 pfarrlich organisiert.
Renate Engelmayr leitet eine Bücherei in Gunskirchen. Die Bücherei hat sich mit Internet-Café und CD-ROM-Verleih zu einem häufig besuchten Kommunikationszentrum entwickelt. Engelmayr sieht dennoch dunkle Wolken über dem sonnigen Bibliothekenhimmel aufziehen. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen werden weniger: „In fünf bis zehn Jahren fehlt uns der Nachwuchs“, befürchtet Engelmayr.
In Österreich gibt es kein Bibliotheksgesetz. Jede Bibliotheksgründung geht auf eine private Initiative zurück. Bund und Land sind nicht zu Förderungen verpflichtet. Von den insgesamt 300 öffentlichen Büchereien im Land sind 220 Bibliotheken in kirchlicher Trägerschaft, 60 davon in Zusammenarbeit mit Gemeinden. 1700 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen leisten in den Pfarrbibibliotheken Büchereidienst – und das unter schwierigen Bedingungen.
„In vielen Pfarren ist es so, dass die Bibliothek ein stiefmütterliches Dasein fristet“, kritisiert Maria Fellinger-Hauer, Leiterin der diözesanen Bibiotheksfachstelle: „Wenn sich die Pfarre eine Bibliothek leistet, muss auch klar sein, dass dies etwas kostet.“ Oft fehlt es an geeigneten Räumlichkeiten, die öffentlich zugänglich sind. Mehr investieren sollten Pfarren in die Ausstattung und die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter/innen. Fellinger-Hauer will das Thema Pfarrbibliothek nicht als Privathobby verstanden wissen. „Bildung, Kommunikation, Unterhaltung – das ist eine pastorale Aufgabe, die auch im Pfarr- gemeinderat Thema sein soll“, fordert sie.
Zwar werden die geplanten Einsparungen in der Diözese auch die Bibliotheken betreffen, „ ... aber die Kirche kann es sich nicht leisten, das zuzusperren“, ist Christian Dandl, Mitarbeiter in der Bibliotheksfachstelle, überzeugt. E. Leitner