Gegen den Alltag schwimmen: Kleine Dinge erhalten die Liebe frisch
Ausgabe: 2001/46, Liebe, Ehepaar, Ehe, Alltag,
13.11.2001
- Maria Haunschmidt
Zuneigung, Bewunderung, Beachtung, Wir-Gefühl, Respektvoreinander, Ausgleich von negativen Gefühlen durch Humor und Versöhnung, das hält Ehe am Leben.
Diese banalen Erkenntnisse erhalten durch Studien von zwei US-Psychologen auch wissenschaftliche Bestätigung. Was so einfach klingt, gelingt vielen nicht. Anschreien, Beschuldigen, Rückzug, letztendlich auch Feindseligkeit, Verachtung oder Ekel deuten in vielen Beziehungen auf den Niedergang hin. „So weit kommt es erst gar nicht, wenn Paare beizeiten auf erste Warnlichter achten und sagen: ,Stopp, so geht es nicht weiter!’, meint der Leiter der Familienabteilung der Diözese Linz, Mag. Rolf Sauer. Jede Beziehung hat ihre meist wiederkehrenden Probleme. Es zeigt sich immer wieder: Es kommt nicht unbedingt auf die Konfliktlösung an, sondern auf das „Im-Gespräch-Bleiben“ und auf den wertschätzenden Umgangston dabei.
Aus seiner langjährigen Praxis weiß Sauer: „Junge Paare haben heute höhere Ansprüche an die Ehe. Was sie sicher nicht mehr wollen: Irgendwie dahinleben!“ Vor allem immer mehr Frauen fordern von Männern ihren Anteil an der Beziehungsarbeit ein. Andernfalls ziehen sie Konsequenzen – 80 Prozent der Scheidungen werden von Frauen eingereicht, nicht zuletzt möglich durch deren größere Selbstständigkeit.
Die Balance muss stimmen
Unzufriedenheit staut sich oft auf, wenn die Balance von Geben und Nehmen nicht stimmt. Ein Beispiel: Eine Frau stärkt ihrem Mann den Rücken für Studium und berufliches Fortkommen, erfährt aber dann für eigene Pläne nicht dieselbe Unterstützung. Das ergibt Konflikte, weil er ihr „etwas schuldig bleibt“. Auch braucht es gegen die Gleichförmigkeit bzw. den Stress des Alltags „Auszeiten“ als Balsam für die Beziehung. Einfache Dinge verleihen der Liebe Flügel: Für die einen ist es eine Wanderung, für andere ein Kaffeehausbesuch, ein Badetag oder gemeinsames Kochen. Mag. Sauer: „Wichtig ist, dass man seinen Rhythmus und seine Bedürfnisse aufeinander abstimmt und sich so spielerisch – ja, dies kann auch im Sinn des Wortes bei einem Gesellschaftsspiel sein – auf angenehme Weise wieder näher kommt. Selbst wenn dies seltsam klingt, auch gemeinsam Singen kann heilsam sein.“
Zur Sache:
Aus der Statistik
Die sprichwörtliche „heile Familienwelt“ ist brüchig. Das zeigen aktuelle Zahlen: 40 von 100 Ehen werden in Österreich wieder geschieden. Im Jahr 2000 waren 19.552 Scheidungen – um 1040 mehr als im Jahr zuvor.18.044 Minderjährige wurden dadurch zu Scheidungswaisen.