Sie verfolgen gemeinsam ihre Interessen . . . sie kämpfen um Liebe . . . sie tun sich schwer, ihre Verschiedenheit zu akzeptieren: Schwestern kennen sich ein Leben lang.
Eine wenig bekannte Stelle im Buch Numeri 27, 1–11 gibt uns Einblick in den Zusammenhalt von Schwestern, um ihre Interessen in einer von Männern dominierten Gesellschaft durchzusetzen. Machla, Noa, Hogla, Milka und Tirza, die fünf Töchter Zelofhads, traten vor Mose und die Anführer und die ganze Gemeinde und verlangten, dass sie nach dem Tod des Vaters – wie sonst für Söhne üblich – Grund und Boden erhalten sollten. Mose trug die Frage vor Gott, und Gott sagte zu Mose: „Die Töchter Zelofhads haben Recht. Du musst . . . den Erbbesitz ihres Vaters auf sie übertragen.“ (Num 27, 7) Die fünf Schwestern konnten so ihr eigenes Leben leben, abgesichert durch den ererbten Grund und Boden ihres Vaters. Sonst wissen wir wenig über die fünf, nur Tirzas Schönheit wird im Hohelied der Liebe gerühmt, auch eine Stadt namens Tirza ist überliefert.
Wir kennen andere Schwesternpaare in der Bibel, Lea und Rahel sind in Konkurrenz um ihren Mann Jakob (Genesis 29–30). Die attraktivere, schönere Rahel wird, so heißt es in Gen 29, 30 von Jakob mehr geliebt als Lea, Gott hilft der benachteiligten Lea, indem diese zuerst Kinder bekommt. Die beiden Schwestern feilschen, wer mehr Söhne hat und wer Jakob für eine Nacht bei sich haben darf. Im Neuen Testament wird an den Schwestern Martha und Maria (Lk 10, 38–42) sichtbar, wie schwierig es ist, verschieden zu sein und sich darin zu akzeptieren, miteinander nach Regelungen und Lösungen zu suchen, wenn die Unterschiedlichkeit zu Problemen führt. Schwestern – sie sind miteinander groß geworden und kennen sich ein Leben lang. Es liegt an ihnen, ob sie einander – bei aller Verschiedenheit – stärken, oder ob sie in Konkurrenz und im Streit sind. So war es zu biblischen Zeiten – so ist es bis heute.