In Zusammenhang mit dem Christkönigsfest kommt in mir eine Erinnerung hoch, die sich tief in mein Herz eingegraben hat. In meiner Jugendzeit war ich mit großem Eifer bei der Katholischen Jugend. Der Jugendsonntag zu Christkönig hatte eine besondere Aktualität. In Scharen zogen wir durch die Bahnhofstraße hier in Dornbirn zur Kirche. Wir sangen aus vollen Kehlen und mit echter Begeisterung: „Lass die Banner wehen über unsern Reihen, alle Welt soll sehen, dass wir neu uns weihen, Kämpfer zu sein für Gott und sein Reich, mutig und freudig den Heiligen gleich. Wir sind bereit, rufen es weit: Gott ist der Herr auch unserer Zeit.“
Die Zeit ist eine andere geworden, auch die Ausdrucksformen. Was ist für mich geblieben? Das ist die Begeisterung, die Zugehörigkeit zum Volk Gottes, die Liebe zu religiösen Liedern, und das Wichtigste: die Überzeugung: Gott ist der Herr auch unserer Zeit! Ich weiß, die gegenwärtige Weltsituation macht es uns schwer zu glauben, dass Gott alles in der Hand hat. Der Begriff König scheint auch hohl geworden zu sein. Von einem alleinigen Herrscher wollen die meisten heute nichts mehr wissen. Unsere Zeit hat andere Namen für Christus. Ich nenne ihn weder König noch Herrscher. In meiner persönlichen Beziehung haben andere Namen Platz: für mich ist er Freund und Bruder, Erlöser und Befreier, Begleiter. Er ist mein Du.
Jesus, angenagelt am Kreuz, wird verhöhnt und verspottet. Sie nennen ihn Messias Gottes und König der Juden – kein Bekenntnis, sondern beißender Spott. Sie fordern Jesus heraus, Wunder zu tun, sich selbst zu retten: „Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen.“ Wie muss das in dieser Situation weh tun. Die Soldaten und einer der mit ihm Gekreuzigten reagieren nicht weniger sarkastisch. Jesus, der Gerechte, ist Objekt des Spottes. Er ist es bis heute in den vielen, die leiden, gefoltert und getötet werden. Er ist es dort, wo Menschen um des Glaubens willen verlacht und verspottet und seelisch und körperlich ruiniert werden. Das müsste uns in Bewegung bringen. Wie lange noch soll dieser brutale Hass in unserer Welt „Aufenthaltsrecht“ haben?
Ich möchte auf der Seite des anderen gekreuzigten Verbrechers stehen und mit ihm sagen: Jesus, du hast nichts Unrechtes getan. Denk an mich, denk an uns! Du bist konsequent deinen Weg gegangen, du hast bis zuletzt durchgehalten, was dein Name bedeutet: Gott rettet. So konntest du zu dem einem gekreuzigten Verbrecher sagen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Lass dieses Heute für jede und jeden von uns Wirklichkeit werden: Denn du bist der Herr auch in unserer Zeit.
Sr. Ermelinde Kräutler ist Pastoralassistentin der Pfarre St. Martin in Dornbirn.