Ein neuer Mann für die Mama? „Wie soll ich ihn nennen? Er ist doch nicht der richtige Papa“, kommt manches Stiefkind in die Zwickmühle.
Dabei ist das noch das geringste der Probleme. Es ist insgesamt nicht einfach, denn es gibt für Stieffamilien keine Muster, wie die Rollen und Aufgaben ausgefüllt werden können – und sie werden auch heute noch oft schief angeschaut. Bei der Studientagung des „Forums Beziehung, Ehe und Familie“ zum Thema „Patchworkfamilien“ in Linz besprachen Familienberater/innen aus verschiedenen Diözesen Richtlinien, wie man mit den neuen Familienformen umgeht. Es kann ins Auge gehen, der bessere Papa und die perfekte Stiefmutter sein zu wollen. Ob und in welcher Weise Stiefvater oder Stiefmutter Bezugspersonen werden, das wird sich entwickeln und zeigen. Es braucht Zeit, Geduld, Reife, Toleranz und gegenseitigen Respekt – auch für die nicht unmittelbar betroffenen Familienmitglieder, die „Neo-Verwandten“. Das Miteinander muss neu gestaltet werden – nicht zuletzt über Gespräche. Man hat eine eigene Rolle und kann den entfernten Elternteil nicht einfach ersetzen. Dies zeigt auch die Erfahrung der Wienerin Gertraud Balzer. Sie war zwei jetzt erwachsenen Buben Stiefmutter.
Nichts gegen das Wort „Stief“
Erst als sie ihre Nebenrolle als Stiefmutter akzeptierte und ihr Über-Engagement zurücknahm, wurde das Miteinander entspannter. Sie gründete auch eine Selbsthilfegruppe für Stiefmütter. Ihr Wunsch: „Wir sollen das von alten Märchen schlecht besetzte Wort „Stief” positiv besetzen.“ Sie ist nicht die Einzige, der das Wort Patchwork-Familien nicht gefällt.Eine Zweitfamilie bringt manche Probleme mit sich, aber auch Chancen für die „pendelnden“ Kinder. Sie haben durch die erweiterte und vielfältigere Familie mehr Ansprechpersonen und mehr Vorbilder, von denen sie sich etwas abschauen können. Die diözesanen Familienberatungsstellen wollen stärker auf die neuen Familienformen reagieren: Mit mehr Angeboten in den Pfarren – hier wurden Modelle ausgetauscht, z. B. für Stiefeltern-Arbeitskreise und -Runden, und mit Anregungen zur oft heiklen Gestaltung von Festen für die erweiterte Großfamilie. Auch soll es Elternschulen und positive Bewusstseinsbildung für Stieffamilien geben, etwa durch Predigthilfen. Auf die wachsende Zahl der Stieffamilien reagierte das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen mit zwei Ratgeber-Broschüren für „Stiefs“. Während „Die Patchwork-Familie“ Erwachsene anspricht, wendet sich „Meine Stieffamilie, ganz anders als im Märchen“ an die Kinder selber. Die „Stief“-Broschüren kann man anfordern unter Tel. 01/711 00-33 30.