„Das Fundament eines dauerhaften Friedens ist die Gerechtigkeit“
Ausgabe: 2001/48, Gerechtigkeit, Frieden, Armenien, Karekin II.
28.11.2001
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
„Das Fundament eines dauerhaften Friedens ist die Gerechtigkeit“, betonte Karekin II. am Donnerstag bei einer ökumenischen Vesper im Wiener Stephansdom. Der armenisch-apostolische Patriarch kritisierte, dass die wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen in der Weltpolitik immer noch Vorrang haben. Karekin II., der sich vergangene Woche zu einem mehrtägigen Besuch in Österreich aufhielt, erinnerte an den Völkermord an den Armeniern in ihrer ostanatolischen Heimat ab 1915. Leider würden diese Massaker mit ihren 1,5 Millionen Opfern bisher weder von den USA noch von mehreren europäischen Staaten als Völkermord anerkannt.Das armenische Volk warte aber auch auf eine friedliche Lösung des Karabach-Problems, sagte der Katholikos. 1923 habe das bolschewistische Regime die altarmenische Provinz Arzach (Nagorno-Karabach) Azerbaidschan einverleibt. In der Folge seien 300 armenische Kirchen geschlossen und teils zerstört worden. Diese Woche sollen in Wien die ins Stocken geratenen Verhandlungen um die Beilegung des Konflikts wieder aufgenommen werden.Karekin II. würdigte auch in herzlichen Worten die Tätigkeit von „Pro Oriente“. Er erwähnte die „Wiener Christologische Formel“ von 1971, mit der nach 1500 Jahren der Konflikt um das Konzil von Chalcedon (451) beigelegt werden konnte.