Am 17. März werden neue Pfarrgemeinderäte gewählt. Manche Ernüchterung ist verständlich, die Pfarrgemeinderäte aber sind nötiger denn je.
Als Anfang der 70er Jahre die Pfarrgemeinderäte eingeführt wurden, ging es vor allem darum, die vom Konzil wieder entdeckte Mitverantwortung der Laien mit Leben zu erfüllen. „Der Pfarrgemeinderat legt die Ziele und Prioritäten (der Seelsorge) fest, plant und beschließt die dazu erforderlichen Maßnahmen …“, heißt es im österreichweit gültigen PGR-Leitbild. In der Realität sieht die Sache freilich etwas anders aus: Denn nach dem Kirchenrecht ist der Pfarrgemeinderat ein Beratungsgremium, dem der Pfarrer folgen kann, aber nicht muss. „Dort, wo es mangelnde Demokratie gibt, ziehen sich die Leute zurück. Das ist heute sehr stark in den Leuten drinnen“, begründet Michael Strebitzer vom Innsbrucker Pastoralamt manche Schwierigkeiten bei der Kandidatensuche. Und der Pastoraltheologe Franz Weber „empfahl“ beim Linzer PGR-Seminar Pfarrern, die „nicht an das Wirken des Gottesgeistes in ihren Leuten glauben“, besser gleich auf einen Pfarrgemeinderat zu verzichten.
Sie tragen die Gemeinde
Dort, wo das Wirken des Pfarrgemeinderates nach außen transparent ist, wo eine ehrliche Meinungsbildung stattfindet und über die Arbeit informiert wird, ist es deutlich leichter, Kandidaten/-innen anzusprechen, meint Strebitzer. Gegenüber der letzten Wahl geändert habe sich, dass Pfarren diesmal stärker schauen, bereits aktive Gruppen bzw. Menschen mit bestimmten Fähigkeiten in den PGR zu bekommen. „Da werden z. T. sehr gezielt Leute angesprochen, die für die Liturgie, für die Sozialarbeit, die Sakramentenvorbereitung oder für die Gestaltung des Gemeinschaftslebens etwas übrig haben. Kompetente Mitarbeiter sind wichtig“, meint Strebitzer, „man sollte aber auch darauf achten, dass der PGR noch Stimme des Volkes bleibt.“Beides – gute Mitarbeiter und Verankerung in der Bevölkerung – seien wichtig, wenn es zu Umbrüchen – kein Pfarrer am Ort, neue Pastoral- und Leitungsmodelle etc. – kommt. „Die Erfahrung zeigt, dass die Pfarrgemeinderäte das stabile Element sind. Sie haben den nötigen Draht zu den Leuten und kennen die pastorale Situation“, betont Strebitzer. „Sie tragen Pfarren auch durch längere Vakanzen; sie halten das Pfarrleben auf Schwung, auch wenn die Pfarre mitversorgt wird; sie bemühen sich um ein sinnvolles Miteinander, wenn ein Kurator (Pfarrassistent) die Pfarre übernimmt. Was als Mitbeteiligung der Laien begann, wird in zunehmendem Maß für viele Pfarren zur Existenzfrage“, meint Michael Strebitzer.
Kirche sucht Öffentlichkeit
Für Josef Weichselbaumer vom Pastoralamt Linz, der seit 25 Jahren PGR-Wahlen begleitet, sind heuer zwei Dinge besonders interessant: Da ist zunächst das Bemühen, Kirche verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. „Gegen alle Resignations- und Rückzugstendenzen soll deutlich werden: wir wollen eine Kirche, die öffentlich sichtbar, erlebbar und wirksam sein will.“ Als wichtigen Schritt nach außen bezeichnet Weichselbaumer die Aktion „Grüß Gott 2002“, die österreichweit von vielen Pfarren durchgeführt wird. Dabei sollen mög-lichst viele Pfarrangehörige mit einem kleinen Geschenk besucht werden. Sie sollen merken, dass der Pfarre ihre Sorgen und Wünsche wichtig sind. „Die Aktion“, so Weichselbaumer, „ist auch eine Einladung, dass Menschen neu über ihre Beziehung zur Kirche nachdenken.“ Die verstärkte öffentliche Aufmerksamkeit sei aber auch als Anstoß für kirchliche Mitarbeiter gedacht, sich zu fragen, wo ihr Platz in der Kirche ist. Als zweiten neuen Aspekt, der diese Wahl und wohl auch die weitere Arbeit der PGRs bestimmen wird, bezeichnet Weichselbaumer das geänderten Verständnis von ehreamtlicher Arbeit. Darüber mehr in der nächsten Nummer.
Die Pfarren wählen: Christen an-gefragt
Am 17. März steigt der größte Gemeinderatswahl Österreichs. In über 3060 Pfarren des Landes werden neue Pfarrgemeinderäte gewählt. Mehr als vier Millionen Katholiken sind eingeladen, die etwa 29.000 Frauen, Männer und Jugendlichen zu wählen, die in den nächsten fünf Jahren in besonderer Weise das Pfarrleben mittragen sollen.
„VIELstimmig – Pfarre mitverantworten und gestalten“ heißt der Wahlslogan. Er will zum Ausdruck bringen: Wenn viele Stimmen zu Wort kommen und ernst genommen werden, kann vieles in den Pfarren „stimmig“ werden. Damit wird auch deutlich gemacht: einen vielstimmigen Chor gibt es nur, wenn genügend Leute bereit sind, für den PGR zu kandidieren.
Dass es hier auch um eine Frage der Berufung geht, darauf will das Plakat „getauft – gefirmt – gewählt“ hinweisen. Pfarrgemeinderat ist eine sehr konkrete Form, in der Laien ihre Sendung, am Aufbau der Kirche mitzuwirken (2. Vatikanum), verwirklichen können. Denn gerade in der Pfarre geht es darum, Räume der Gottesbegegnung und Orte der Menschenliebe zu schaffen. Dazu braucht es Mitarbeiter, die darauf schauen, dass die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen gehört werden und im Feiern und Tun der Gemeinde zum Tragen kommen.