Weil in Haag auf viele Verlass ist, sind alte Menschen nicht verlassen
Ausgabe: 2001/48, Haag am Hausruck, Haag, Senioren, Altenpastoral, Radldienst, Sozial
28.11.2001
- Ernst Gansinger
Der Fachausschuss Altenpastoral von Haag: eine wichtige Stütze für die Seniorenarbeit der ganzen Markgemeinde.
In der Gemeinde Haag entstand ein vorbildliches Wohnprojekt für alte Menschen. Möglich wurde es nur, weil eine Gruppe aus der Pfarre bis heute tatkräftig mithilft.
Im Juli 1997 wurde in Haag am Hausruck das Sozialzentrum eröffnet. Es bietet 15 Wohneinheiten für „Betreubares Wohnen“, dazu gemütliche Gemeinschaftsräume inklusive Bibliothek. Mobile Dienste wie Essen auf Rädern können beansprucht werden. Ziel ist es, die Eigenständigkeit bis ins hohe Alter zu sichern. Außerdem gibt es im Zentrum mehrmals in der Woche Angebote für alte Menschen (Gymnastik, Gedächtnistrainig etc.) sowie eine Tagesheimstätte bzw. eine Ganztagesbetreuung für Senioren aus der ganzen Gemeinde – auch als Entlastung für Angehörige. Weiters sind hier Mutterberatung und Jugendwohlfahrt untergebracht.
Radldienst in der Nacht
Untertags kümmern sich zwei Hausleiterinnen – Christine Kiener und Maria Buttinger, die sich im Dienst abwechseln – um die Bewohner/-innen. Sie unterstützen die alten Menschen, verrichten Versorgungsdienste wie Blutdruckmessen, helfen beim Einkauf und bei Behörden-Kontakten, begleiten beim Spazierengehen oder unterstützen Gemeinschaftstätigkeiten und sind Ansprechpartner bei Sorgen und Freuden. Sie organisieren auch mobile Dienste. Aber was ist in der Nacht, was an Wochenenden und Feiertagen? „Betreubar“ bedeutet doch, im Fall der Fälle sicher sein zu können, dass jemand erreichbar ist. Die Antwort darauf heißt: Pfarre! Diese organisiert durch den „Altenfachausschuss“ einen Bereitschaftsdienst – die „Rufhilfebereitschaft“. Auf etwa 25 Menschen können sich derzeit Trude Korntner, Leiterin des Fachausschusses, und Margarete Meisinger bei der Einteilung der Dienste stützen. Es waren auch schon mehr als 35.
Gemeinde und Pfarre
Die Pfarre hat einen doppelten Anteil am Gelingen: Sie dachte von Beginn an mit (ursprünglich war ein Altenheim geplant, was das Land OÖ nicht genehmigte) und leistet durch die Bereitschaftsdienste einen wesentlichen Beitrag für den Betrieb, worum die Gemeinde gebeten hat. Der damalige Pfarrer Rupert Rosner rührte fleißig die Werbetrommel für den Bereitschaftsdienst. Dass sich viele meldeten, war die Voraussetzung für das Gelingen.Berta Mayrhuber, Pfarrsekretärin von Haag, war in die Planungsphase des Sozialzentrums als Einsatzleiterin der Caritas-Altenhilfe in Haag eingebunden. Gemeinde und Pfarre organisierten einen Runden Tisch, um bedürfnisgerechte Lösungen anzubieten. Gemeinde, Gemeindearzt, Dr. Gerhard Lutz, Seniorenvertretung, Rotes Kreuz sowie Pfarre suchten bei diesen Zusammenkünften nach guten Lösungen; später kam auch die Diözesan-Caritas dazu. Dr. Margit Scholta, Leiterin der Altenbetreuungsschule des Landes OÖ, beriet den Runden Tisch. Sie organisierte auch Studienfahrten zum Kennenlernen des Modells des „Betreubaren Wohnens“.Heute steht das Sozialzentrum auf vier Füßen: Gemeinde, Caritas, Pfarre und Verein Vital sind ein Team. Alle tragen einen wichtigen Teil bei. Die Gemeinde hat das Haus errichtet, Bürgermeister Franz Ziegelböck ist Vorsitzender des Sozialteams. Die Caritas begleitet das Projekt fachlich, die Caritas-Hausleitung koordiniert die Angebote des Hauses. Die Pfarre organisiert die mobilen Dienste und die Rufhilfebereitschaft. Der Verein Vital mit Obmann Dr. Helmut Lutz fördert ideell und finanziell hausinterne Angebote. Es zeigt sich: Gemeinsam lässt sich was bewegen!
Rufhilfebereitschaft
25 bis 35 Menschen (fast nur Frauen) aus Haag/H. machen im Rahmen der Rufhilfebereitschaft für die Bewohner/-innen des Sozialzentrums Dienst. Der Dienst beginnt an einem Wochentag um 17 Uhr und endet am nächsten Tag um 7.30 Uhr. An den Wochenenden und Feiertagen sind entsprechend längere Rufbereitschaftszeiten. Wer einen Dienst übernimmt, holt sich das Dienst-Handy im Sozialzentrum. Zu diesem werden die Notrufe von den Klingeln, die in allen Wohnungen im Sozialzentrum angebracht sind, geleitet. Innerhalb von zehn Minuten kann die rufbereite Person bei dem um Hilfe rufenden Menschen sein. Es gibt auch Fehlalarme, allerdings selten.Für die Rufbereitschaft gibt es pro Stunde zehn Schilling oder 10 Talentepunkte. Talentepunkte sind gegen Leistungen im Sozialzentrum eintauschbar. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter/-innen der Rufbereitschaft entscheidet sich für diese Punkte. Zum Teil werden sie älteren Angehörigen – etwa für eine Ganztagesbetreuung, die zweimal in der Woche angeboten wird – geschenkt.