Im Innenministerium prüfen derzeit Arbeitsgruppen, die Betreuung von Flüchtlingen ganz in private Hände zu übertragen. Anlass dafür dürften die unhaltbaren Zustände im Erstaufnahmelager Traiskirchen sein. Der desolate Bauzustand, die ständige Überbelegung und die Zunahme der Exekutiveinsätze sorgen für wachsende Kritik. Darüber hinaus ist die so genannte Bundesbetreuung von Asylwerbern generell ein ständiger Zankapfel zwischen Innenministerium und privaten Flüchtlingsorganisationen. Im Unterschied zu den meisten anderen EU-Ländern haben mittellose Flüchtlinge in Österreich für die Dauer ihres Asylverfahrens keinen Anspruch auf Bundesbetreuung. Das führt dazu, dass nur ein Drittel der Asylwerber auf Bundeskosten untergebracht und verpflegt wird. Ein weiteres Drittel wird von privaten Organisationen wie der Caritas versorgt. Dafür gibt es nur in einigen Bundesländern Zuschüsse. Die Caritas sieht daher in der Übergabe der Flüchtlingsbetreuung an private Organisationen eine Chance. Dazu müssen allerdings die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass wirklich eine menschenwürdige Unterbringung und professionelle Betreuung möglich sind. Für ein bloß „billiges Aufbewahren“ von Asylanten steht die Caritas nicht zur Verfügung.