„Die Arbeit im Pfarrgemeinderat macht mir einfach Spaß“, erzählt Brigitte Winder. Dabei ist sie auf ziemlich ungewöhnlichem Weg in das Gremium geraten.
„Stunden der Not vergiss, doch was sie dich lehrten, vergiss nie!“ schrieb der Schweizer Schriftsteller Salomon Geßner vor 200 Jahren. Vor fünf Jahren lag Brigitte Winder mit einer Lungenentzündung in der Intensivstation: „Ich war gerade mit unsrem zweiten Kind schwanger und dann dieser Infekt, der die Ärzte vor ein Rätsel stellte“. Die Auseinandersetzung mit dem Tod war für die damals 28-jährige Bäuerin aus Bildstein Ausgangspunkt, ihr Leben neu zu ordnen. „Damals habe ich meine eher lose Beziehung zu Gott wieder intensiviert. Das hat mir in dieser Situation sehr geholfen. Für mich war klar, wenn ich überlebe, werde ich mich revanchieren.“
Da mache ich mit
Als der Pfarrer nach ihrer Genesung engagierte Mitarbeiter für den Pfarrgemeinderat suchte, war für sie klar, „da mache ich mit“. Ihr Einstieg in das Gremium war fulminant. Ihre Kollegen und Kolleginnen wählten die Neueinsteigerin gleich zur geschäftsführenden Vorsitzenden (Obfrau). In den vergangenen vier Jahren hat sie viele neue Ideen in die Pfarrarbeit eingebracht. Die monatlichen Familienmessen, eine „Kinderweihnacht“ am Nachmittag des Heiligen Abends oder der Firmweg ab 17. „Wir sind halt ein gutes Team im Pfarrgemeinderat. Wir verstehen uns persönlich gut und haben ähnliche Ziele“, beantwortet sie die Frage nach ihrem Erfolgsrezept. Die Motivation für diese Aktionen schöpft sie aus der Erfahrung, „dass anderen Gutes zu tun oder eine Freude zu machen, einfach viel Spaß macht.“ „Auf irgendeinem Weg kommt da immer etwas zurück, was mir gut tut“, ist ihre Erfahrung.Auch persönlich waren für sie die vier Jahre im Pfarrgemeinderat eine positive Sache: „Mir hat die Arbeit neue Perspektiven eröffnet, ich habe neue Leute kennen gelernt.“ Auch ihr Verhältnis zur Kirche hat sich intensiviert. Selbst im privaten Bereich hat die Mutter dreier Kinder neue Einsichten gewonnen. „Ich habe gelernt, meine Anliegen überzeugend rüberzubringen. Das ist auch in der Kindererziehung ganz nützlich. Bei Fragen der Kinder fallen mir heute viele Antworten leichter.“
Zeitmanagement
Gutes Zeitmanagement ist freilich Voraussetzung, um die vielen Aufgaben unter einen Hut zu bringen. „Mein Mann macht da zum Glück mit, er passt auf die Kinder auf, wenn ich auf einer Sitzung bin, verzichtet dabei auf so manches Hobby“, erzählt Brigitte Winder. Ihr Einsatz hat sich bis ins Landhaus in Bregenz herumgesprochen. Am Nationalfeiertag zeichnete sie Landeshauptmann Herbert Sausgruber als Anerkennung für ihre ehrenamtliche Engagement aus. Für Brigitte Winder ein zusätzlicher Ansporn, sich wieder der Wahl zum Pfarrgemeinderat zu stellen.
Michael Dittrich
ZUR SACHE: Neue Ideen verwirklichen
Viele neue Ideen hat Brigitte Winder in den vergangenen vier Jahren in die Pfarrarbeit eingebracht. Die monatlichen Familienmessen, gestaltet von Müttern, Vätern und Kindern, mit eigenen Liedern sowie einer Instrumentalgruppe, mit kleinen Theateraufführungen und Kinder-Fürbitten tragen ihre Hand- schrift. „Den Leuten gefällt’s, es kommen immer mehr Menschen, um mitzufeiern“, berichtet Brigitte Winder. Aus ihren Worten klingt echte Freude über das gelungene Projekt.
Eine weitere liturgische Neuheit ist die „Kinderweihnacht“ am Nachmittag des Heiligen Abends. Die Kinder haben die Möglichkeit, bei dieser Feier in der Kirche zu malen, es gibt Diavorführungen, ein Chörle singt und begleitet mit Kinderliedern. Die Kinder sollen sich eben nach ihren eigenen Bedürfnissen in die Liturgie einbringen können. Neuestes Projekt ist der Firmweg ab 17, von dem sich die Verantwortlichen der Pfarre eine intensivere Auseinandersetzung der Firmlinge mit dem eigenen Glauben erwartet, als es bei Zwölfjährigen möglich ist.
Zudem ist Brigitte Winder auch im Rahmen des Familienverbandes tätig, organisiert da Feste und Vorträge im Ort, und auch bei den Bäuerinnen ist sie aktiv dabei.