Ich wollte ehrlich sein, erklärt Pfarrer Josef Friedl sein Bekenntnis zur Beziehung mit seiner Lebenspartnerin – und hat dafür viel Zustimmung bekommen. Es stimmt. Man darf nicht unehrlich sein. Aber man sollte dies vor allem zur rechten Zeit sein. Das wäre die Zeit gewesen, als Friedl die Entscheidung traf, dass er den Zölibat nicht mehr leben wolle. Das hätte Mut verlangt und – schmerzlich für ihn und die Kirche insgesamt – das Priesteramt gekostet. Friedl hat für sich den Kompromiss vorge-zogen: Priesteramt und Lebensgemeinschaft mit einer Frau. Andere haben – in jüngeren Jahren – Konsequenzen gezogen. Diese Priester fehlen der Kirche sehr. Irgendwann ist es fast schon zu spät für die Ehrlichkeit – dann nämlich, wenn sie keinen Preis mehr verlangt, oder besser: wenn diesen andere zu zahlen haben: die Pfarren, auch jüngere Priester in einem ähnlichen Lebensdilemma, die Diözese. Da ist aber auch die andere Seite: Wie stellt die Kirche sicher, dass die Pfarren künftig Priester haben, wenn es so viele nur mit Mühe schaffen, den Zölibat zu leben? Wie findet die Kirche insgesamt zu einem glaubwürdigen Weg? Anders gefragt: Ist das Dilemma zumutbar?