Ausgabe: 2009/12, Sonntag, Evangelium, Lesung, Richtiges, Wirken Gottes, Markus Himmelbauer, Glauben wirkt, Zehn Gebote, 4. Fastensonntag, Theresia Hauser, Wort zum Sonntag, Exil, Israel,
18.03.2009
Gibt es ein Wirken Gottes in der Geschichte? Das feststellen zu wollen ist riskant: es kann lächerlich wirken, oder überheblich, oder schlichtweg falsch sein. Israels Exil ist zu Ende, die Chroniken berichten vom neuen Anfang. Doch wie das Vergangene beurteilen und das Neue gestalten? Nicht das Urteil über die Fehler anderer bringt weiter, sondern heute das Richtige zu tun.
1. Lesung
2 Chr 36, 14–16. 19–23
Auch alle führenden Männer Judas und die Priester und das Volk begingen viel Untreue. Sie ahmten die Gräueltaten der Völker nach und entweihten das Haus, das der Herr in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte. Immer wieder hatte der Herr, der Gott ihrer Väter, sie durch seine Boten gewarnt; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung. Sie aber verhöhnten die Boten Gottes, verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten, bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so groß wurde, dass es keine Heilung mehr gab. [. . .] Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes, rissen die Mauern Jerusalems nieder, legten Feuer an alle seine Paläste und zerstörten alle wertvollen Geräte. Alle, die dem Schwert entgangen waren, führte Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babel. Dort mussten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen, bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam. Da ging das Wort in Erfüllung, das der Herr durch den Mund Jeremias verkündet hatte. Das Land bekam seine Sabbate ersetzt, es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung, bis siebzig Jahre voll waren. Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen, was der Herr durch Jeremia gesprochen hatte. Darum erweckte der Herr den Geist des Königs Kyrus von Persien, und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich mündlich und schriftlich den Befehl verkünden: So spricht Kyrus, der König von Persien: Der Herr, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen. Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört – der Herr, sein Gott, sei mit ihm –, der soll hinaufziehen.
2. Lesung
Eph 2, 4–10
Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben. Dadurch, dass er in Christus Jesus gütig an uns handelte, wollte er den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen. Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt –, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann. Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat.
Evangelium
Joh 3, 14–21
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat. Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.
Im Vorüber der Zeit
innehalten zurückschauen und sehen was das Leben gegeben hat [. . .] sich erinnern und nicht vergessen aber auch Freude zulassen über Mauern, die stürzten Im Vorüber der Zeit der erlebten Behütung betend gedenken Im Blick zurück entdecken: Wir wurden geführt Aus all dem Erfahrenen die Zuversicht schöpfen In jeder Zukunft bist Du unser Leben
Theresia Hauser
Wort zum Sonntag
Glauben wirkt
In einem protestantischen Pfarrhaushalt darf die Tochter als Strafe nicht am Gemeindeausflug mitfahren. Zwei Tage zuvor ändern die Eltern jedoch ihre Meinung und erlauben, dass sie mitkommt. „Zu spät“, sagt sie, „ich habe schon um Regen gebetet.“ Glauben wirkt. Die Chronikbücher des Ersten Testaments rechnen mit einem verlässlichen Zusammenhang zwischen dem richtigen Gottesverhältnis und dem Ergehen des Volkes. „Weil wir den Herrn eifrig gesucht haben, hat er uns ringsum Ruhe verschafft.“ (2 Chr 14, 6) Abfall von Gott führt in den Niedergang. Dementsprechend haben die Menschen sich die Katastrophe des Exils in Babel selbst zuzuschreiben. Im „Zehnwort“ (die Zehn Gebote) am Sinai sagt Gott: „Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.“
Die Bibel ist ein Buch auch der kontroversen Diskussion um den Weg mit Gott und um Gottes Weg mit den Menschen. So ist auch diese Haltung nicht unumstritten: Der Prophet Ezechiel formuliert (gegen das „Zehnwort“!): „Ein Sohn soll nicht die Schuld seines Vaters tragen und ein Vater nicht die Schuld seines Sohnes.“ (Ez 18, 20) Oder die persönliche Schuld ist gar kein Kriterium, denn wer kennt nicht die Erfahrung: „Es gibt Gerechte, denen geht es, als hätten sie Werke der Gottlosen getan, und es gibt Gottlose, denen geht es, als hätten sie Werke der Gerechten getan“? (Koh 8, 14) Genau an diesem Widerspruch leidet Ijob.
Zum Weiterdenken
Gottes Wirken in der Geschichte festzustellen ist riskant: Es kann lächerlich wirken; überheblich, weil ich meine, Gut und Böse abschließend beurteilen zu können, oder schlichtweg falsch: Ich kann mich irren. Die Chronik ist geschrieben für diejenigen, die das Exil hinter sich haben und nun Verantwortung für die Zukunft Israels tragen. Gott hat einen Neuanfang geschenkt. Heute das Richtige zu tun, das bringt uns weiter. Nicht das Urteil über die Fehler anderer.
Markus Himmelbauer ist Lehrbeauftragter an der Kirchlich Pädagogischen Hochschule Wien.