- DSA Katharina Huber, Beratungszentrum der Caritas Tirol
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Aus der Praxis: Michaela kommt in die Beratungsstelle, weil sie unter Panikattackenleidet. Sie ist derzeit im Krankenstand und möchte sich auch beruflich neu orientieren, weil sie glaubt, dass Veränderung notwendig ist. Sie ist überzeugt, dass ihre bisherige berufliche Situation auch etwas mit ihrer Krankheit zu tun hat. Sie fühlt sich kraftlos und ausgelaugt. Sie nimmt Medikamente, damit sie überhaupt mit dem Alltag zurechtkommt.Sie ist Alleinerzieherin mit zwei Kindern und fühlt sich oft einfach überfordert. Alle im sozialen Umfeld glauben zu wissen, was für sie gut ist, und halten sich auch nicht mit Kommentaren zurück.
Erst wenn man seine eigenen Wünsche und Ziele erkennt, kann man sich dafür einsetzen.
Der Vater von Michaela ist gestorben, als sie zwei Jahre alt war. Ihre Mutter hat sehr darunter gelitten und konnte sich mit dem Verlust nicht abfinden. Michaela hat immer versucht, alles zu tun, damit es der Mutter gut geht. Sie kann sich an den Vater nicht erinnern, aber sie spürt Geborgenheit und Wärme, wenn sie an ihn denkt. Die Schulzeit und ihre Jugend waren vom Gedanken geprägt, dass ihre Mutter als Witwe Unterstützung braucht und sie, Michaela, keine zusätzliche Belastung sein darf.
Eigene Familie. Sehr jung hat sie den Vater ihrer Kinder kennengelernt, und bald darauf wurde sie schwanger. Sie war verwundert darüber, dass dieser Mann sie attraktiv findet, und hat sich seinen Wünschen untergeordnet. Aus ihrer heutigen Sicht trug sie die Verantwortung, dass es den Kindern und dem Mann gut geht. Leider konnte sie seinen Ansprüchen nicht genügen, und sie haben sich getrennt.
- Wie wirken die Panikattacken sich aus und wann treten sie auf? Sie bekommt keine Luft, sie kann kaum aufrecht stehen, erst wenn sie sich hinlegt, bessert sich ihr Zustand. Sie hat Todesangst. Danach ist sie total erschöpft. Die Attacken kommen oft unerwartet, aber meist gibt es einen Auslöser. Es genügt, wenn jemand sagt, sie sei egoistisch oder sie habe etwas falsch gemacht. Sie spürt großen Druck, da sie ja Arbeit suchen muss, damit sie wieder unabhängig ist und für die Kinder sorgen kann.
- Kann sie sich vorstellen, sich diesen Panikattacken zu stellen und tief durchzuatmen? Sie kommen zu lassen mit dem Wissen, dass sie auch vorbeigehen? Michaela versucht, sich der Angst und der Hilflosigkeit zu stellen. Die Panikattacken sind damit leichter geworden. Wir arbeiten auch an den anderen Problemen, der Arbeitslosigkeit und der Beziehung zur Mutter, und versuchen, ihren Wünschen nachzuspüren. Michaela wundert sich, dass sie nach ihren Wünschen und Zielen gefragt wird, und braucht einige Zeit, diese zu finden. Sie lernt nein zu sagen und sich auf ihre Familie zu konzentrieren.
Das Leben meistern. In der letzten Stunde erzählt sie stolz, wie sie ihrer Mutter gesagt hat, dass sie selber weiß, was für sie gut ist, und ihre Einmischung nicht mehr will. Dem Arzt hat sie mitgeteilt, dass sie keinen stationären Aufenthalt will, da sie schon so viel erreicht hat. Sie merkte, wie sie sich dabei viel erwachsener fühlte und so auch wieder ihr Leben meistern kann. Sie spürt ihre Energie zurückkehren.