Wilhelm Jerger und Anton Bruckner sind Namen von Musikern, die bis in die Gegenwart einen bedeutenden Faktor des Kulturlebens prägen. Ihre Rolle während der NS-Zeit beleuchtete das Symposium „Klänge der Macht“ im Linzer Schlossmuseum.
Erstaunlich wenige Besucher/innen nutzten die Gelegenheit, neue Erkenntnisse über die Rolle der Musiker/innen und den manipulativen Einsatz der Musik während der NS-Zeit zu gewinnen. Nur an die 30 Interessierte und darunter eine handvoll Studierende fanden sich am Freitag, 20. März im Schlossmuseum ein, um den spannenden Vorträgen zu zuhören.
Bruckner in den 1930er Jahren. Der Komponist Anton Bruckner schien die Figur des bäuerlichen, einfachen Künstlers und „verkannten Genies“ zu verkörpern, dessen Ausgangspunkt die oberösterreichische Heimat war. Nun sollte er endlich seine gerechte Würdigung erfahren: Diese erhielt er durch seinen Landsmann Hitler. Der Kult um Bruckner nahm während der NS-Zeit üppige Ausmaße an. Bis in die Gegenwart blieb der Missbrauch durch Adolf Hitler am Komponisten kleben.
SS-Mann Jerger in Linz. Erhellend war etwa der Vortrag von Prof. Oliver Rathkolb über die Entnazifierzierung von Musiker/innen in Oberösterreich: Er stellte am Beispiel von Wilhelm Jerger dar, wie leicht ehemalige SS-Mitglieder, führende Funktionen im Musikleben Österreichs erhielten. Jerger übernahm bereits 1958 die Direktion des Bruckner-Konservatoriums. Bis in die späten 90er Jahre setzte ihm das Haus ein Denkmal mit der Benennung des „Wilhelm Jerger“-Saals. Still und leise erfolgte die Umbenennung in „Großer Saal“. Wie geht man mit Nazi-Größen um, die das Kulturland prägten? – „Das Symposium dazu ist der Anfang und nicht der Schlusspunkt in der Aufarbeitung der Geschichte“, erklärte dazu Prof. Anton Voigt von der Anton Bruckner Uni und entschuldigte sich in einem Statement für die fehlende öffentliche Aufklärungsarbeit. Mit dem Symposium – einem Gemeinschaftsprojekt der Anton Bruckner Uni für Linz 09 in Zusammenarbeit mit der Kepler Universität – ist ein notwendiger Schritt dazu gelungen.