Mit 96 Jahren starb die Autorin Gertrud Fussenegger im Kreise ihrer Familie in Leonding. Die christliche Ethik und Frömmigkeit spielte in ihren Werken eine tragende Rolle.
Viele ihrer Geburtstage hat die Schriftstellerin im Bildungszentrum Linz-St. Magdalena gefeiert, zahlreiche ihrer Bücher wurden hier präsentiert. Direktor Roland Spitzlinger erinnert sich dankbar an diese Zeiten zurück: „Sie war eine Institution der Kultur in Oberösterreich, eine Doyenne der österreichischen Literatur“. Die Autorin hat zahlreiche Preise und Würdigungen erhalten. Im Jahr 2007 überreichte ihr Bischof Ludwig Schwarz das Komturkreuz mit dem Stern des päpstlichen Silvesterordens. Am 19. März ist sie im 97. Lebensjahr gestorben.
Vielfältiges Werk. Das Werk der Schriftstellerin ist vielfältig, die Werkliste umfasst mehr als 50 Titel. Romane, Essays, Kinderbücher zählen dazu. „Drei Themen kommen immer wieder vor: Sie hat sich ausgesprochen gegen den Missbrauch von Macht sowie gegen Ignoranz und Schuld. Alle ihre Werke sind geprägt von einer tief empfundenen christlichen Ethik“, so Spitzlinger. Zeitlebens war die Schriftstellerin wegen ihrer jugendlichen Nähe zum Nationalsozialismus umstritten. Auf „braune“ Punkte in ihrer Jugendzeit angesprochen, sagt Spitzlinger: „Diese Phase ihres Lebens ist ihr immer wieder vorgehalten worden. Sie hat in jungen Jahren mit der aufkeimenden NS-Ideologie sympathisiert. Sie hat aber bald erkannt, dass sie sich geirrt hat, und sich später klar davon distanziert.“
Nachlass im Stifterhaus. „Es ist für das Land von entscheidender Bedeutung, dass das Werk von Gertrud Fussenegger für das Land Oberösterreich für alle Zeit gesichert ist und den Menschen zur Verfügung steht, denn sie war und ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Österreichs“, erklärt Kulturreferent Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer. Das Land hat sich noch zu Lebzeiten Fusseneggers darum bemüht, ihr literarisches Wirken für die Forschung und künftige Generationen zu sichern. Der Nachlass der Autorin wird daher im Oö. Literaturarchiv im Stifterhaus integriert. In dieser Textsammlung befinden sich unter anderem auch Briefe von Elfriede Jelinek und Thomas Bernhard an Gertrud Fussenegger.
- Gebet für die Verstorbene: Fr., 27. 3. um 18 Uhr in der Pfarrkirche in Leonding/Linz. Die kirchliche Trauerfeier mit Altbischof Dr. Maximilian Aichern findet am Sa., den 28. 3., um 10.30 Uhr in der Pfarrkirche Leonding statt. Kondolenzbuch: www.gertrudfussenegger.at
Zur Person
Gertrud Fussenegger (geb. 1912 in Pilsen) galt als „Grande Dame“ der zeitgenössischen österreichischen Dichtung, als aufmerksame, faszinierende, engagierte und kritische Chronistin, die in Oberösterreich ihre zweite Heimat gefunden hatte. Die Schriftstellerin – mehr als 60 Bücher haben Gertrud Fussenegger internationales Ansehen gebracht – lebte und arbeitete seit 1961 in Leonding. Ihre Bücher wurden in 15 Sprachen übersetzt. Zu ihren Werken gehören neun Romane, zahlreiche Erzählungen, Essayistisches, Lyrisches, Dramatisches, ein Buch über die Donau, eine Maria-Theresia-Biografie und ihr Lebensbericht „Ein Spiegelbild mit Feuersäule“.