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Für das Weltklima steht es fünf vor zwölf

Klima fair bessern. Intrnationale Hilfsorganisationen machen Druck auf Politik
Ausgabe: 2009/13, Weltklima, Lehrgang, Bischof Dr. Ludwig Schwarz, gerechtes Klima, Armut und Klimagerechtigkeit, CIDSE, Industrienationen, katholische Entwicklungshilfeorganisation, Emissionen, Christof Petrik-Schweifer, Heinz Hödl, Jugend Eine Welt, Caritas, Nah
25.03.2009
- Hans Baumgartner
Gletscher verschwinden. Wüsten breiten sich aus. Der Meerwasserspiegel steigt. Die Entwicklungs- und Hilfsorganisationen haben sich europaweit zusammengetan, damit die Politik ernst macht gegen den drohenden Kollaps der Natur.

Am letzten Montag war Startschuss für die Aktion „Klima fair bessern“. Während Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz in Wien die Werbetrommel für diese Rettungsaktion für das Welt-Klima rührte, wurde zeitgleich in den Landeshauptstädten ein „Sturmläuten“ gegen die drohende Klimakatastrophe begonnen. Am kommenden Sonntag sollen um fünf vor zwölf Uhr die Glocken für dieses Anliegen läuten – und dabei einladen, selbst etwas zur Verbesserung des Weltklimas beizutragen.

Mit der Aktion wollen die Hilfsorganisationen Druck auf die Weltpolitik machen. Die Klimaänderungen betreffen auch das Leben mitten in Europa: In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Zahl der klimabezogenen Naturkatastrophen in Österreich verdoppelt, gab die Wirtschaftskammer am 23. März bekannt.



Eine Frage der Glaubwürdigkeit


Nachhaltigkeit: Ein Lehrgang für kirchliche Mitarbeiter/innen

„Mir ist es wichtig, dass sich die Kirche mehr für Nachhaltigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzt. Das ist immer mehr auch eine Frage der Glaubwürdigkeit“, sagt der Pastoralassistent Markus Gerhartinger.

„Früher war das mehr so ein Bauchgefühl, dass ich mich stärker für Umwelt und Nachhaltigkeit einsetzen sollte. Und ich sah das auch eher als ein privates Anliegen“, erzählt Markus Gerhartinger. Seit er den Grundkurs „Nachhaltigkeit“ für kirchliche Mitarbeiter/-innen besucht hat, sieht er das Eintreten für die Schöpfung als eine wichtige pastorale Aufgabe. „Wie wir mit dieser Thematik in der Verkündigung, in unserer Bildungsarbeit und in unserer täglichen Praxis umgehen, davon wird in Zukunft auch die Glaubwürdigkeit der Kirche abhängen“, ist Gerhartinger überzeugt. „Denn Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einer entscheidenden Menschheitsfrage. Und als Christen haben wir da von der Bibel her einen klaren Auftrag, sorgsam mit der Schöpfung umzugehen und auf die Lebenschancen der Menschen zu achten.“

Selbsttest. Die intensivste Erfahrung auf dem vierteiligen Grundkurs war für Gerhartinger der erste Block in Benediktbeuern. „Da waren wir selber sehr stark Thema. Wir hatten wirklich Zeit, anhand guter Impulsfragen unsere persönliche Einstellung zur Schöpfung, unsere religiösen und gesellschaftlichen Motive abzuklären und unsere Möglichkeiten auszuloten. Für mich war das ein starker Impuls, mich im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit persönlich und beruflich zu engagieren.“ Insgesamt, so Gerhartinger, habe der Grundkurs einen sehr guten Mix aus Wissensvermittlung und eigener Auseinandersetzung mit der Thematik geboten. „Man hat sehr viele Informationen bekommen, die man auch praktisch umsetzen kann, wie etwa den nachhaltigen Einkauf von Büromaterial. Eine große Bereicherung war auch der rege Austausch der Teilnehmer/innen aus mehreren Diözesen.“

Praxistest. Für die Umsetzung des „Gelernten“ in der Pfarre sieht Gerhartinger viele Möglichkeiten. „Wichtig für mich ist, dass ich das Anliegen immer im Hinterkopf habe, wenn wir verschiedene Dinge besprechen und beraten. Es sind die kleinen Schritte, die uns voranbringen. So etwa fahren wir zu Veranstaltungen öfter mit dem Zug statt mit dem Auto oder kaufen umweltfreundliche Büromaterialien ein.“ Auf den Rat seines Pfarrers habe er auch ein Umweltteam gebildet, „wo wir erst entdeckt haben, dass es da mitten unter uns schon ganz engagierte Leute gibt“. Bei dem Kurs habe er auch viele gute Argumente mit auf den Weg bekommen. Das habe es erleichtert, den Pfarrgemeinderat und das Pfarrteam zu überzeugen, „dass wir beim Pilotprojekt einer Nachhaltigkeits-Zertifizierung (EMAS) als eine von zehn österreichischen Pfarren mitmachen“, freut sich Gerhartinger.

Grenzen. Karl Fraiss vom Baureferat der Diözese Linz hat den Nachhaltigkeits-Kurs vor allem aus Interesse an einer fundierten Schöpfungstheologie mitgemacht. „Da hätte ich mir etwas mehr erwartet.“ Das gelte auch bezüglich praktischer Informationen für ein nachhaltiges Planen und Bauen. In seiner Praxis stoßen ökologisch erstrebenswerte Lösungen oft an die Grenzen des Denkmalschutzes oder auch an das Verständnis, dafür höhere Anschaffungskosten in Kauf zu nehmen. „Wir sind viel auf die Zusammenarbeit mit Pfarren und Einrichtungen angewiesen. Wenn man wirklich ein nachhaltiges Bauen durchsetzen will, bräuchte es dafür einen breiten diözesanen Konsens und klare Richtlinien. Kleine Schritte aber gehen auch jetzt schon dort und da“, sagt Fraiss, der sich immer wieder um einen guten „Draht“ zwischen Bau- und Umweltreferat bemüht.



Zur Sache


Nachhaltig bilden

Der nächste Grundkurs „Nachhaltigkeit“ für haupt- und ehrenamtliche kirchliche Mitarbeiter/-innen beginnt am 23. April. Er enthält vier dreitägige Module zu theologischen, gesellschaftlichen, politischen und ökologischen Fragen der Schöpfungsverantwortung. Die praktischen Themen reichen von Ernährung, Energie, Lebensstil und Agenda 21 bis zu ethischen, pastoralen und strukturellen Zugängen in den konkreten kirchlichen Handlungsfeldern. Kurskosten 680 Euro (Subvention möglich)

- Alle Infos: www.schoepfung at



Sturmgeläute für ein gerechteres Klima


Mit einem Umzug durch die Wiener Innenstadt wurde am 23. März die Kampagne „Sturmläuten für ein gerechteres Klima“ in ganz Österreich eröffnet und eingeläutet. Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz, Caritas-Auslandshilfe-Chef Christoph Petrik-Schweifer, der Geschäftsführer der „Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission“, Heinz Hödl, und weitere Kirchenvertreter nahmen an der Demonstration teil. Bischof Schwarz übergab folgende Forderungen der Kampagne an Vertreter/innen des Umweltministeriums: Bis 2020 soll Österreich wie auch andere Industrienationen eine Verringerung bei CO2-Emissionen um 40 Prozent erreichen. Die Industrieländer sollten den Entwicklungsländern finanzielle und technologische Unterstützung für ökologisch nachhaltige Anpassungsmaßnahmen leisten; deren Recht auf nachhaltige Entwicklung müsse von der internationalen Politik anerkannt werden. Die Kampagne „Armut und Klimagerechtigkeit“ in Österreich ist Teil einer internationalen Kampagne von „CIDSE“, dem europäischen Dachverband katholischer Entwicklungshilfeorganisationen. Träger sind u. a. die Caritas, die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, „Jugend Eine Welt“ und Teilorganisationen der Katholischen Aktion.

- Informationen: www.klimafairbessern.koo.at
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