Die Diözese Linz ist von einer starken Polarisierung geprägt, behaupten viele. Man meint damit die „Fronten“ zwischen den Leuten, die sich besonders der kirchlichen „Tradition“ verbunden wissen, und anderen, die sagen: Mit dem Wandel der Zeit muss sich auch die Kirche ändern.
Doch es gibt noch viel tiefere Polarisierungen: dass die Schere von Arm und Reich immer weiter aufgeht; oder dass zwei Drittel der Bevölkerung in relativ gesicherten Verhältnissen leben können, während ein Drittel von Arbeitslosigkeit und Not bedroht ist.
Es ist Fastenzeit – Zeit, in der Christen den „Kreuzweg“ Jesu nachgehen. Auch da wird Polarisierung deutlich: Da sind die einen, die sich in ihrer Angst verkrochen haben – vornehmlich die Apostel – und andere, die zu Jesus gehalten haben, als es riskant war. Simon, der das Kreuz tragen hilft, Veronika, die ihm das Schweißtuch reicht. Da gab es die Gaffer und die Mitleidenden. Deutet das auf die eigentliche „Polarisierung“ hin? Den Unterschied machen dann weniger die Ansichten der Menschen aus, sondern ihre Haltungen. Auch mit der richtigsten Ansicht kann man feige fliehen – und ein Mensch mit seltsamen Meinungen kann, wenn es darauf ankommt, standhaft sein. Am Kreuzweg verstummt Selbstgefälligkeit.