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Das schönste Versprechen

5. Fastensonntag (Lesejahr B), 29. März 2009
Ausgabe: 2009/13, Sonntag, Himmelbauer, Lesung, Evangelium, 5. Fastensonntag, Versprechen, Wort zum Sonntag, Lebenskraft, Frische, Weisung, Verheißung, Johannes, Hebräer
25.03.2009
Ich lege meine Weisung in sie hinein und schreibe sie auf ihr Herz . . . „Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein . . . sie alle, klein und groß, werden mich erkennen”. Wann ist Jeremia 31 erfüllt? Gott hat alles bereits geschenkt, bevor er die Verheißung gegeben hat.


1. Lesung


Jer 31, 31–34

Seht, es werden Tage kommen – Spruch des Herrn –, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war – Spruch des Herrn.
Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, klein und groß, werden mich erkennen – Spruch des Herrn.
Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.


2. Lesung


Hebr 5, 7–9

Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden. Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.


Evangelium


Joh 12, 20–33

Auch einige Griechen waren anwesend – sie gehörten zu den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen. Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen. Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert.
Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet. Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.



Erschaffe mir, Gott,

ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
Mach mich wieder froh mit deinem Heil;
mit einem willigen Geist rüste mich aus!

Psalm 51, 12–14



Wort zum Sonntag


Unverbrauchte Lebenskraft und Frische

„Das Gesetz der Furcht muss weichen, da der neue Bund begann.“ Das sagt die Übersetzung des Hymnus „Pange lingua“ (GL 544). Diese Opposition von Judentum und Christentum und die Verunglimpfung der Tora sind nicht nur biblisch falsch, dieses Gedankengut hat in der Geschichte vielfach Leid und Tod über das jüdische Volk gebracht. Als Papst Benedikt XVI. in Paris mit Vertretern des Judentums zusammentraf, sagte er in seinem Grußwort: „Die katholische Kirche wünscht von ihrer Natur her, den Bund, den der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geschlossen hat, zu achten. Denn auch sie ist eingeschrieben in den ewigen Bund des Allmächtigen, der sich seiner Ratschlüsse nicht reut und sie achtet, die Söhne der Verheißung, die Söhne des Bundes, ihre geliebten Brüder im Glauben.“ Der Papst spricht vom einen Bund, in den auch die Kirche hineingenommen ist.
Auch Jeremia stellt dem neuen Bund keinen alten gegenüber: Gott gibt seine Heilszusage nicht deswegen, weil die bisherigen Bundesschlüsse nichtig wären. Er will dem bleibenden Bund „unverbrauchte Lebenskraft und Frische“ (Erich Zenger) geben.

Wann ist Jeremia 31 erfüllt? Gott hat alles bereits geschenkt, bevor er die Verheißung gegeben hat. Im Psalm 51 wird – immer schon für die jeweilige Gegenwart – gebetet: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz.“ Gott, der schon am Sinai „barmherzig und gnädig, langmütig, reich an Huld und Treue“ ist, gibt kein „Gesetz der Furcht“, sondern spricht zu Israel als „Volk, das mein Gesetz im Herzen trägt“ (Jes 51, 7).

Zum Weiterdenken

Anders als Jeremia interpretieren sowohl die jüdische als auch die christliche Tradition den neuen Bund als Zeichen der Endzeit. Für das Judentum steht das Kommen des Messias noch aus. „Die jüdische Messiaserwartung ist nicht gegenstandslos. Sie kann für uns Christen ein starker Ansporn sein, die eschatologische Dimension unseres Glaubens lebendig zu erhalten. Wir wie sie leben von der Erwartung“, so die päpstliche Bibelkommission 2001.


Markus Himmelbauer ist Geschäftsführer des österreichischen Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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