Beide waren auf einer Bank angestellt, beide haben das gerne gemacht und doch gekündigt – um als Pfarrsekretärin zu arbeiten. Warum Pfarrsekretärin für sie Beruf und Berufung zugleich ist, erzählen Edeltraud Burgstaller aus Frankenburg und Karin Brandstötter aus Pregarten.
Wenn Menschen zum Anmelden eines Begräbnisses oder später zum Aufschreiben einer Messe in die Pfarrkanzlei kommen, frage ich immer: „Wie geht es euch denn?“, sagt Edeltraud Burgstaller, Pfarrsekretärin in Frankenburg: „Das muss einfach Platz haben. Wir sind kein Büro, wo man bloß abgefertigt wird.“ Seit 1992 arbeitet sie – jetzt mit ein wenig mehr als einer halben Anstellung – für die Pfarre. Nicht, dass sie in der Bank unglücklich gewesen wäre, aber es hat sie mehr zu „Zwischen-Menschlichem gezogen“, betont sie: „Insgeheim habe ich immer von einem Beruf im kirchlichen Bereich geträumt und das als Berufung gespürt.“ Jetzt lebt sie diese Berufung. Genauso sieht Karin Brandstötter aus Pregarten ihre Anstellung als Pfarrsekretärin. Wie ihre Kollegin Edeltraud kommt auch sie aus der Bankbranche. Vor mehr als 20 Jahren bat sie der Pfarrer, ein wenig auf die Buchhaltung zu schauen. Noch in Karrenz kündigte sie ihren Job und wechselte zur Pfarre. Die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten, hat beiden Familienmüttern den Schritt in den Pfarrhof erleichtert. Aber es war der Reiz der Arbeit, der den Ausschlag gab. „Vom ersten Tag an habe ich die Arbeit gerne gemacht und das hat sich nicht geändert“, sagt Karin Brandstötter. Was sich sehr wohl geändert hat ist die Fülle der Arbeit. Die wurde sprunghaft mehr.
Die Arbeit nimmt zu. Deutlich macht sie das an einem ihrer Aufgabenbereiche: an der Verwaltung des Pfarrheims. Im Jahr 2008 fanden im Pfarrheim insgesamt 468 Veranstaltungen statt, davon 155 im großen Saal. Da muss die Heizung programmiert sein, die Reinigung eingeteilt werden und wenn etwas zu reparieren ist, müssen rasch die Ehrenamtlichen verständigt werden, die sich darum annehmen. Zur Kanzleiarbeit kommt im Fall von Pregarten die Buchhaltung, die Friedhofsbetreuung – eben die gesamte Verwaltung, sagt Brandstötter lachend. Wenn sie auch mit dem Wort „Verwaltung“ ihre Tätigkeiten auf einen Nenner bringt, ist Pfarrsekretärin alles andere als ein knochentrockener Verwaltungsjob, wo es bloß um Zahlen und Papier geht. „Die Arbeit im Pfarrsekretariat bietet mir die Möglichkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen und kreativ zu sein. Das ist das Faszinierende.“
Das Pfarrbüro als Schnittstelle. Die Pfarrsekretärinnen werden immer mehr zur ersten Anlaufstelle in einer Pfarre und sie prägen damit den ersten Eindruck, den Menschen von der Kirche vor Ort haben. „Wir möchten die freundlichen Gesichter der Pfarre sein“, sagen Karin Brandstötter und Edeltraud Burgstaller wie aus einem Mund. Dazu gehört, dass man sich Zeit nimmt. In Frankenburg werden jährlich bis zu 2000 Messen „aufgeschrieben“. Das hat in der Pfarre einen hohen Stellenwert, sagt Edeltraud Burgstaller, weil die Menschen ihre „bezahlten“ Gottesdienste auch besuchen. Beim Eintragen der Messen bleibt Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Da die Pfarrsekretärin gemerkt hat, wie wichtig zuhören und einfühlsam miteinander reden ist, engagiert sie sich ehrenamtlich in der Trauerbegleitung der Pfarre. Einige Wochen nach dem Begräbnis besucht ein Mitglied des „Trauerbegleitungs-Teams“ die Angehörigen eines Verstorbenen. Das Pfarrbüro fungiert dabei als Schnittstelle. Burgstaller weist die Angehörigen schon einmal auf dieses Angebot hin. „In meinem Beruf kann ich Menschen in Freude und Leid nahe sein. Das ist einfach schön.“ Das begeistert sie an ihrer Arbeit als Pfarrsekretärin.
Gegenwind. Die Pfarrsekretärinnen gehören zu jenen, die als Erste den rauen Wind spüren, der der Kirche entgegenbläst. „Mit der Amtskirche hadern viele“, weiß Edeltraud Buchberger. Dem kann Karin Brandstötter nur zustimmen und man spürt, wie das die beiden Frauen, die zutiefst mit der Kirche verbunden sind, auch bedrückt.
Das Netz der Pfarrsekretärinnen
In den 487 Pfarren der Diözese Linz sind 260 Pfarrsekretär/innen angestellt, die allermeisten in Teilzeit, bis zu einem ganz kleinen Stundenausmaß. An den Bildungstagen in Schloss Puchberg nahmen vergangene Woche 132 Pfarrsekretär/innen teil, unter ihnen acht Männer. Die Pfarrbüros werden immer mehr zu den „Drehscheiben“ des Pfarrlebens, besonders dort, wo keine Priester mehr am Ort wohnen. Die Bildungstage bieten die wichtige Möglichkeit zum Austausch, da Pfarrsekretär/innen oft auf sich allein gestellt sind und dabei viel Verantwortung tragen.
Gerechte Anstellung. Edeltraud Burgstaller, die dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Pfarrsekretär/innen angehört, betont die Bedeutung der Wertschätzung der Arbeit. „So gut wie jede von uns arbeitet gerne ehrenamtlich in der Pfarre mit, aber der Umfang der Anstellung muss auch stimmen. Das schafft auf Dauer Berufszufriedenheit.“