Ausgabe: 2009/14, Segen, gesegnet, Paul Burtscher, Pilgerseelsorger, Wort zum Sonntag, Palmsonntag, Freude, Jerusalem, Almut Haneberg
01.04.2009
Die Ankunft Jesu in Jerusalem wird zum Ereignis, voller Freude bereiten ihm die Menschen einen großen Empfang. Das Volk sieht seine Hoffnung erfüllt, dass er wie der verheißene messianische Friedenskönig der Gewalt und der Not in Israel ein Ende setze . . . „Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!”
Evangelium
Mk 11, 1–10
Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte er zwei seiner Jünger voraus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los und bringt ihn her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er lässt ihn bald wieder zurückbringen. Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße einen jungen Esel angebunden, und sie banden ihn los. Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel loszubinden? Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren. Sie brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier, und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf der Straße aus; andere rissen auf den Feldern Zweige von den Büschen ab und streuten sie auf den Weg. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!
1. Lesung
Jes 50, 4–7
Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
2. Lesung
Phil 2, 6–11
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.
Ich seh dich kommen
in der Ferne ich höre deine Schritte vernehme deine Stimme: das musst du sein den ich schon lang erwarte den ich erträumt erhofft ersehnt mit aller Liebeskraft herbeigewünscht ich heiße dich willkommen empfange dich mit offnen Armen und tanze rufe eile dir entgegen
Almut Haneberg
Wort zum Sonntag
Festlicher Einzug Jesu
„Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen . . .“ Vom Norden Galiläas waren Jesus und seine Jünger nach Jerusalem unterwegs. Nun kommen sie in die Nähe der Heiligen Stadt, und es sollte ein festlicher Einzug werden. Hier verbringt Jesus seine letzten Tage, hier begegnen ihm die Zurufe der kleinen Leute und der tödliche Hass der Mächtigen. Hier – vor den Mauern der Stadt – geschieht die Wende im Morgengrauen.
Unübersehbar, der Einzug Jesu ist ein Triumphzug. Das Volk sieht seine Hoffnung erfüllt: „Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.“ Diese Worte beten oder singen wir bei jeder Messfeier. Von Kindestagen an sind mir die Palmzweige am Palmsonntag wichtig. Ich erinnere mich, wie die Eltern mir beim Palmbinden geholfen haben. Und dann der festliche Einzug in die Kirche mit den vielen bunten Palmen der Kinder und Erwachsenen. Ein freudiger Siegeszug. Damals wie heute kamen einzelne Zweige auf die Kruzifixe daheim. Das „Hosanna in der Höhe“ klang noch lange nach. Für mich war und hat auch heute der Einzug etwas Österliches: Der König wird gepriesen und die Freude über ihn braucht man nicht zu verbergen.
Das Hören der Passionsgeschichte am Palmsonntag ist wie die Ouvertüre für die Karwoche. Ich befasse mich schon Tage davor mit dem Leidenstext. Es berührt mich sehr, wie Jesus mit der Macht des Bösen umgeht, und doch sich selber treu bleibt. Zu Ostern kommt das ans Licht, die Palmprozession kommt ans Ziel, durch die Passion hindurch. Auch wir werden nicht anders unser Leben meistern und das ewige Leben gewinnen können!
Zum Weiterdenken
Ich möchte Ihnen empfehlen: Lesen Sie in diesen Tagen die Passion nach Markus (14, 1 –15, 47). Lesen Sie mit Pausen und lassen Sie den Text still auf sich wirken. Es werden Ihnen auch die Leidenswege und Hoffnungen Ihrer Mitmenschen gegenwärtig werden. Paul Burtscher ist Pilgerseelsorger in der Diözese Feldkirch und Pfarrer in Maria-Bildstein, Vorarlberg. Den Autor erreichen Sie unter