Aus der Praxis: „Mit der Schwiegertochter ist es schwierig. Ich fühle mich so draußen“, klagt eine Schwiegermutter und illustriert das angespannte Verhältnis aus ihrer Perspektive: „Die Kinder dürfen nicht zu mir kommen, obwohl wir ganz nah beieinander wohnen.“ „Die Schwiegertochter will nicht, dass ich zu ihr hinüberkomme, obwohl ich mich eh schon lange zurückhalte und keine Bemerkungen mehr mache über ihre Wohnungsgestaltung und Haushaltsführung.“ „Ich erfahre so wenig von den Jungen.“
Dass ein gutes Zusammenleben mit den „Kindern“ gelingt, ist nicht selbstverständlich. Es braucht in jeder Generation Verständnis und die Anerkennung.
Ich höre heraus, dass Sie die Wünsche der Schwiegertocher erkannt haben und versuchen, sie zu respektieren und zu erfüllen, auch wenn es für Sie manchmal schmerzvoll ist. Es braucht in jeder Generation das respektvolle Verständnis und die Anerkennung, dass die jeweils andere Generation anders ist. Das Leben und die Entwicklungen fanden in einer jeweils anderen Zeit unter anderen Bedingungen statt. Die jüngere Generation sieht ihre Zukunft anders als die Elterngeneration.
Eure Welt. Auch wenn Eltern ihre Welt mit den Kindern viele Jahre geteilt haben, ist die Welt der Kinder und deren Partner nicht mehr diese Welt. (Schwieger-)Eltern dürfen die (Schwieger-)Kinder nicht in der Rolle der Kinder festhalten, sondern haben deren Erwachsensein, Selbstverständnis, Kompetenz und Eigenverantwortung anzuerkennen. Das klingt logisch und einfach, ist es aber ganz und gar nicht. (Schwieger-)Eltern möchten ihre bewährten Erfahrungen allzu gerne weitergeben.
Bitten und bieten. Die erwachsene Weise der Verständigung zwischen (Schwieger-)Kindern und (Schwieger-)Eltern ereignet sich im gegenseitigen Bitten und Bieten. Die Grenze zwischen Bitten und Fordern ist von allen Generationen zu beachten, wie auch die Grenze zwischen Anbieten und Aufdrängen. Erwachsene, reife Persönlichkeiten halten es aus, wenn ein (noch so gutes oder zumindest gut gemeintes) Angebot nicht angenommen wird. Das „Nicht“ kann ein „Noch-Nicht“ sein oder ein „Nicht-auf-diese-Weise“. Ebenso ist es möglich, dass eine Bitte noch nicht oder nicht auf diese Weise erfüllt werden kann. Der Volksmund sagt: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ Wenn (Schwieger-)Eltern Ratschläge geben, so mögen diese wertvoll sein, aber (Schwieger-)Kinder haben das Recht, diese auf der Suche nach dem eigenen Weg der Lebensgestaltung auszuschlagen, selbst wenn die Ratschläge erbeten wurden. Das sollte auf eine nicht kränkende Weise mitgeteilt und akzeptiert werden. Genau das ist die Kunst.
Einander Freiheit lassen. Wenn diese Spielregel des Miteinanders von beiden Seiten vereinbart und eingehalten wird, können (Schwieger-)Eltern und (Schwieger-)Kinder gut miteinander auskommen. Da kann man dann auf entspannte, einander Freiheit lassende Weise miteinander reden und einander, sogar im gleichen Haus, besuchen. Ebenso kann um den Dienst, die Kinder zu beaufsichtigen, gebeten oder dieser angeboten werden.