In unseren Kirchen feiern wir Ostern. Hat letzte Woche ein Bild des Gekreuzigten, dem die Arme fehlten, das Titelbild der KirchenZeitung geprägt, so ist es dieses Mal ein Bild des Auferstandenen. Dazwischen liegt das Wunder, von dem Christen ihren Glauben haben. Auch wenn wir es Jahr für Jahr feiern, so wird dieses Wunder niemals gewohnte Selbstverständlichkeit. Vielleicht spüren das Menschen intensiver, wenn sie älter werden, weil für sie die Grenze des Lebens näher rückt.
In den letzten Monaten erlebte die Kirche eine schwierige Zeit, in der nicht wenige Menschen zu zweifeln begannen. Auch in der Kirche geschehen Fehler und es gibt Unzulänglichkeiten. Doch die Kirche hält das Gedenken an Jesus von Nazareth wach. Darin liegt ein fast unglaubliches Maß an Hoffnung.
Den Auferstandenen werden die Jünger später an seinen Wundmalen erkennen. Kirche lebt von der Sensibilität der Menschen, die ein Gespür für die Verwundungen des Lebens haben. Das wäre die größte Unzulänglichkeit, wenn man der Kirche diese Empfindsamkeit für die Schwachen und für den verwundeten Menschen nicht mehr nachsagen könnte.
Die KirchenZeitung berichtet das ganze Jahr über von Menschen, die sich die Verkündigung des Auferstandenen zur Aufgabe gemacht haben: mit ihren Worten ebenso wie vor allem in Taten. Es gibt sie, die Menschen, die mitleidend da sind, wenn jemand einen Kreuzweg zu gehen hat. Es gibt sie, die den Satz Jesu ernst nehmen: Wer Erster sein will, soll der Diener aller sein. Und es gibt sie, die das ungeahnte Ausmaß an Freude kennen, das vom Erlösten kommt.
Dass Sie aus dieser Hoffnung Zuversicht schöpfen können, wünschen Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz Herausgeber Wilhelm Vieböck sowie das ganze Team Ihrer KirchenZeitung
Auferstanden
In der Pfarrkirche Erla (bei St. Valentin) findet sich eine wenig bekannte, aber beachtenswerte Darstellung der Auferstehung Jesu aus der Zeit der Renaissance. Margaretha Kolbmann, Äbtissin des Benediktinerinnenklosters Erla, ließ für ihre verstorbene Vorgängerin Marina Pirchinger ein Gedenkbild anfertigen. Das um 1570 entstandene Werk wird von der Figur des Auferstandenen dominiert, der in einer Mandorla aus Licht steht. Als Podest dient ihm ein drachenähnliches Fabelwesen, das den Tod symbolisiert. Die Botschaft ist klar: Christus hat den Tod besiegt.
Die Soldaten, die das Grab bewachen sollten, werden zur Seite geschleudert. Chaos bricht aus. Was sie hier erleben, sprengt nicht nur die Steinplatte des Grabes, sondern jede menschliche Vorstellung. Alle haben ihr Gesicht zum auferstandenen Christus hin gewendet, aber ihr Ausdruck bleibt verwirrt und ratlos. Anders die Nonne, die die Äbtissin Marina Pirchinger zeigt (am rechten Bildrand). In all dem Durcheinander ist sie gefasst: Kniend, die Hände gefaltet und umwunden mit einer Gebetsschnur, hat sie ihren Blick auf Christus gerichtet. Vermutlich hilft ihr das Gebet zu erahnen, was Auferstehung bedeutet – auch für ihr Leben. Der unbekannte Künstler unterstreicht es durch das Morgenrot. Auferstehung ist wie der Anbruch eines neuen Tages.