Die Karwoche erinnert an den letzten Weg Jesu. Auch wenn es ein Kreuzweg war: Er musste diesen Weg nicht alleine gehen. Einige gingen mit – bis unter das Kreuz.In Oberösterreichs Krankenhäusern und Pflegeheimen ist jemand da, wenn es ans Sterben geht. Das ist der Kirche wichtig. Priester und Laien halten „Rufbereitschaft“.
Die blaue, die rote, die gelbe und die grüne Linie auf dem Boden. Sie führen hinein in die Tiefen des Spitals. Besuchern und Besucherinnen erleichtern sie den Weg zur richtigen Station. Manche von ihnen folgen diesen Linien mit Bangen. Der Mensch, den sie lieben, liegt im Sterben.
Der Anruf kommt. Manchmal ist es mitten in der Nacht, dass das Telefon läutet. Da weiß Jutta Asch-Kieslinger: Der Anruf kommt aus einem der drei Krankenhäuser, für die sie in dieser Nacht Rufbereitschaft hat. Da gilt es, gleich sehr wach zu sein und genau hinzuhören, in welches der Spitäler sie muss – und auf welche Station. Am schwersten ist es, wenn ein Mensch ganz unerwartet stirbt, besonders wenn jemand nach einem Unfall eingeliefert wird. Jutta ist schon seit 23 Jahren Krankenseelsorgerin, aber sie hat lange gebraucht, um die oft sehr schweren Verletzungen auszuhalten. Manchmal wird eine Seelsorgerin erst gerufen, wenn der Tod schon eingetreten ist. Angehörige haben oft Sorge, sie könnten den Kranken „die Hoffnung nehmen“, wenn sie den Seelsorger rufen. „Aber wir wollen die Hoffnung nicht nehmen, wir wollen vielmehr einen Dienst leisten, dass die Hoffnung bleibt“, erzählt Jutta. Manchmal geschieht auch ein Wunder, wie bei dem jungen Mann, der vor wenigen Monaten mit schweren Verletzungen nach einem Stromschlag eingeliefert wurde – und wider alle Erwartungen überlebt hat. Im Linzer Allgemeinen Krankenhaus besteht das katholische Seelsorgeteam aus einem Priester und drei Laien. Wenn jemand ausdrücklich einen Priester wünscht, wird versucht, einen Priester zu rufen. In den allermeisten Fällen sind Kranke und Angehörige einfach froh, dass jemand kommt.
Sterben wird nie Routine. In ihre schlichte Tasche packt Jutta den kleinen Krug mit dem Weihwasser und die Schale, Taschentücher, eine Kerze und auch Unterlagen mit Gebeten. Meistens betet sie ja frei, „doch es ist gut, wenn man ein Buch zum Anhalten hat“, meint sie. Routine ist Sterbebegleitung für sie noch nie gewesen. Laien dürfen das Sakrament der Krankensalbung nicht spenden. Sie halten daher eine Segensfeier mit dem Sterbenden und den Angehörigen. Oft ist noch das Missverständnis verbreitet, die Krankensalbung wäre die „Letzte Ölung“, die man für das Seelenheil braucht. In Pfarren und in den Altenheimen wird daher regelmäßig zu Krankengottesdiensten mit Krankensalbung eingeladen. Das Sakrament soll ja in der Krankheit stärken.
Dank und Vergebung. Mit dem Weihwasser bezeichnet die Seelsorgerin den Todkranken oder den eben Verstorbenen. Es ist das Wasser der Taufe, das den Menschen in den Horizont einer unvergänglichen Hoffnung gestellt hat. Inmitten der Abschiedstrauer hat auch Dankbarkeit ihren Platz – für die Gabe des Lebens und alles, was gelungen ist. Dass Gott sich dieses Menschen erbarme, dass er verzeihe, was Vergebung braucht – darum bittet die Seelsorgerin. Was dieser Mensch nun selbst nicht mehr gutmachen kann, das wird Gott vergeben. Diese Zusage gilt dem Sterbenden und den Angehörigen. Wir sehen unsere Aufgabe als Dienst, sagt Jutta Asch-Kieslinger. Und jedesmal wird sie sich dabei bewusst, „dass es auch mich selber einmal betrifft“.
Rufbereitschaft in den Krankenhäusern
Früher war der kirchliche Dienst an Sterbenden selbstverständliche Sache der Priester. Sterbebegleitung und Krankensalbung waren eng verbunden. Doch mit dem Priestermangel wurde das zunehmend schwieriger zu organisieren.
Zum Beispiel in Gmunden. Im Dekanat Gmunden ist der Wunsch von Priestern selbst gekommen: Könnten nicht auch Laien Rufbereitschaft im Krankenhaus übernehmen? Im Dekanat hat man sich auf einen Weg geeinigt, damit die Rufbereitschaft für das Landeskrankenhaus Gmunden gewährleistet bleiben kann. Dekanatsassistent Martin Mitterwallner hat sich sehr um die neue Regelung bemüht. Mag. Claudia Martiner koordiniert als Krankenseelsorgerin den Monatsplan für die Rufbereitschaft. An den Sonntagen halten weiterhin die Priester Rufbereitschaft. Für die anderen Tage melden sich Priester, Diakone, die Pastoralassistent/innen sowie die beiden Krankenseelsorgerinnen. Sie werden in einem „Bereitschaftsrad“ eingeteilt. Claudia Martiner schaut, dass immer jemand da ist, und hält auch selbst Rufbereitschaft. Sie war früher auch Pfarrseelsorgerin und ist erst vor einem Jahr ganz in die Krankenseelsorge gewechselt. Das „Hinspüren zum Sterben“ ist etwas, was sie auch als einen schönen Dienst erlebt. Für sie gilt es zunächst einmal zu spüren, was die Kranken und Angehörigen brauchen. Was man an den Betten der Sterbenden empfindet, das sollte auch im Alltag mehr Gewicht bekommen, meint sie. Erst vor zwei Wochen haben sich Oberösterreichs Dechanten dazu bekannt: Die Kirche soll zu jeder Stunde bereit sein, wenn an das Bett eines Sterbenden gerufen wird.