Wen von beiden soll ich freilassen – Jesus oder Barabbas? Die Stelle, in der die Menge und im Gefolge auch Pilatus entschieden, Barabbas kommt frei und Jesus wird gekreuzigt, ist an Dramatik nicht zu überbieten. Was mit Barabbas, dem Aufrührer oder Mörder, weiter geschah, ist völlig unbekannt. Doch es wird deutlich: Die Begegnung mit Jesus bedeutet für Barabbas Freiheit und Leben.
Für wen ist Jesus in den Tod gegangen – und auferstanden? Am unmittelbarsten wohl für Barabbas. Er ist der Erste, für den wahr wurde: mit Jesus zu tun zu haben, bedeutet, dass nicht der Tod, sondern Leben am Ende steht. Welches Glaubensbekenntnis Barabbas hatte, ob er überhaupt an einen Gott glaubte, erfährt man nicht. Nur, dass er „berüchtigt“ war. So wird Barabbas zum ersten Verkünder der Frohbotschaft: Wenn selbst Barabbas, der Berüchtigte, wegen dieses Jesus leben darf, sollte dann nicht auch ich hoffen dürfen? Christus lässt sich nicht in die Grenzen der Religionen oder Konfessionen zwingen, als gehörte er nur Christen oder Katholiken. Jesus hält es nicht nur mit den „Reinen“ und Makellosen. Selbst den Christenverfolger Paulus hat er – später – zu seinem Zeugen gemacht.