Hochfest der Auferstehung des Herrn (Lesejahr B), 12. April 2009
Ausgabe: 2009/15, Herzensangelegenheit, Paul Burtscher, Wort zum Sonntag, Seele, Osternacht, Hochfest der Auferstehung, Jünger, Maria Magdalena, Ostern, Auferstandener, Brigitte Enzner-Probst, Christus, Grab, Morgen
08.04.2009
Die eilends herbeigelaufenen Jünger waren wieder gegangen. Maria Magdalena blieb beim leeren Grab, weinte. Zuerst erkannte sie Jesus gar nicht. Ostern ist für Maria erst, als der Auferstandene sie bei ihrem Namen ruft, sie in der Tiefe ihrer Seele berührt.
Evangelium
Joh 20, 1–18
Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war. Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen dorthin, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein. Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. Da ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, den einen dort, wo der Kopf, den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten. Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du? Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat. Als sie das gesagt hatte, wandte sie sich um und sah Jesus dastehen, wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.
1. Lesung
Apg 10, 34a. 37–43
2. Lesung
Kol 3, 1–4
Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
Osternacht
O geheimnisvolle Nacht verwandelnder Kraft gefüllte Dunkelheit Schoß von Leben Fülle von Leben geboren aus Angst und Leiden geboren aus unserer Sehnsucht geboren aus Kraft
Sei gesegnet sei willkommen niste dich ein Leben werde geboren verwandeltes in unseren alternden Körpern in unseren immer jungen Seelen in unserem immer empfänglichen Geist
Brigitte Enzner-Probst
Wort zum Sonntag
Den meine Seele liebt
Ich suchte ihn und fand ihn nicht. Aufstehen will ich, die Stadt durchstreifen, die Gassen und Plätze, ihn suchen, den meine Seele liebt. Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“ (Hld 3, 1f.) Wie die Liebende im Hohelied sucht Maria von Magdala ihren Geliebten. Noch bei Dunkelheit geht sie zum Grab. Bald sieht sie: der Stein ist vom Grab genommen. Verstört eilt sie zu den Aposteln und deutet das Gesehene auf ihre Weise: „Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen.“ Diese Morgennachricht mobilisiert Petrus und den anderen Jünger, um nach dem Grab zu schauen. Sie finden es leer. Gibt es Zeugnis vom Auferstandenen? Für Maria ist es zu wenig, denn sie will den Geliebten sehen, wenn auch als Toten. Sie bleibt am Grab, weint. „Ich suchte ihn und fand ihn nicht.“ In der Mystik ist es die Seele, die ihren Bräutigam (Gott) sucht und sich nach dem sehnt, der ihre Sehnsucht heilt. – Jesus beendet die anrührende Szene: Er ruft Maria beim Namen. Nicht der Anblick, sondern die Stimme bewirkt das Wiedererkennen. Nicht das Sehen, sondern das Hören führt Maria zum Glauben. „Ich packte ihn, ließ ihn nicht mehr los“ (Hld 3, 4). Maria will den Wiedererkannten umfassen. Aber der Geliebte lässt sich nicht festhalten, er ist auf dem Weg zum Vater. Als erste Jüngerin soll sie selbst zur Verkündigerin der Osterbotschaft werden. Für sie ist Ostern, seit sie ihren Geliebten gefunden hat. Dass Jesus auferstanden ist, wird auch für mich erst wirklich, wenn meine Seele ihn „berührt“, wenn Jesus mich beim Namen nennt.
Zum Weiterdenken
Die Begegnung mit dem Auferstandenen ist ein Geschenk. Ich kann mich dafür öffnen und dabei geduldig warten, horchen. Maria hatte keine Eile am Grab. Sie wollte bleiben, bis sie ihren Herrn fand. Wie wäre es, wenn Sie in diesen österlichen Tagen sich einfach in die Kirche setzen und das Gespräch mit dem Auferstandenen aufnehmen, oder vielleicht nur hören und warten. Es wird nicht vergeblich sein!
Paul Burtscher ist Pilgerseelsorger in der Diözese Feldkirch und Pfarrer in Maria-Bildstein, Vorarlberg.