Über 160 Spiel-Dokumentar- und Kurzfilme aus 30 Ländern hat Festivalleiterin Christine Dollhofer mit ihrem Team für das heurige Festival von 20. bis 26. April ausgewählt. Das Programm kann sich sehen lassen.
So wird häufig über Film geschrieben: Eine Filmkritikerin einer führenden Tageszeitung, die eigentlich das Kino hasst, bewertet Film nach einer einfachen Arithmetik – jeder zweite Film eines Regisseurs ist misslungen und wird dementsprechend schriftlich vernichtet. Und so wird auch häufig über Filme geschrieben: Man kopiert einfach die Filmkritiken anderer, wenn einem selbst nichts einfällt, wie es Filmfigur Francois jede Woche für eine Lokalzeitung macht. – Die Zynikerin und der Kopist sind die beiden Hauptfiguren in Lionel Baiers „Un autre homme“. So soll hier aber nicht über Film geschrieben werden. Vielmehr soll hier Appetit auf ein großartiges Programm gemacht werden, auf Filme, die einem nicht einmal mehr in Programmkinos begegnen.
Weltpremiere des Films „Muezzin“. Schon die Eröffnungsfilme bieten unterschiedliche kinematographische Handschriften: So wird als Weltpremiere der Dokumentarfilm „Muezzin“ des Oberösterreichers Sebastian Brameshuber präsentiert, der über einen längeren Zeitraum, von der Vorausscheidung bis zum Finale, einen Gebetsruf-Wettbewerb von Muezzins in Istanbul verfolgt hat. Der Film ermöglicht in unaufdringlicher Weise einen Einblick in ein wichtiges religiöses Ritual und dessen Bedeutung.
Birgit Minichmayr im Film „Alle anderen“. Der Beziehungsreigen „Alle anderen“ von Maren Ade wurde schon auf der Berlinale prämiert. Ein Preis ging dabei völlig berechtigt an Birgit Minichmayr. Wie ein Urlaubstraum durch das Erscheinen eines befreundetes Paares zerbröckelt und sich eine Beziehungskrise anbahnt, zeichnet der Film Szene für Szene nach. Herausragend in seiner filmischen Konzeption ist der dritte Eröffnungsfilm „Home“ von Ursula Maier. In präzise komponierten Bildern, die an die Cyperchrome-Dias von Jeff Wall erinnern, wird die Auflösung einer Familienidylle gezeigt. In einem Haus, das an einer verlassenen Autobahn in der Einöde steht, verfolgt man zunächst die bizarren Alltagsszenen in einer fünfköpfigen Familie, die aber durch die Wiederbelebung der Autobahn abrupt unterbrochen werden. Lärm und Schmutz führen zu seltsamen Reaktionen, die in Klaustrophobie münden.
Europäisches Panorama in Linz. Zwei Filme aus dem mit 10.000 Euro dotierten Wettbewerb seien hervorgehoben: „Pranzo di Ferragosto“ des 60-jährigen Filmdebütanten Gianni di Gregorio: eine gelungene Komödie über die zufällige Zusammenkunft einer Gruppe alter Menschen am wichtigsten Feiertag (15. August) Italiens im Sommer. „Snijeg“ (Schnee) von Aida Begic führt in ein abgelegenes Dorf in Bosnien, in dem fast nur Frauen leben, die nach dem Krieg für ein würdevolles Weiterleben kämpfen müssen. Weitere Höhepunkte finden sich in der Reihe „Europäisches Panorama“, wo man die aktuellen Werke von Jerzy Skolimowski, Claire Denis und Aleksei German jr. auf keinen Fall versäumen sollte, weil sie weniger auf Dialog als auf Atmosphäre aus Bildern und Tönen setzen.
- Programm & Karten ab 10. April unter www.crossingEurope.at oder unter Tel. 0800/66 40 60.