Körperliche Anstrengung wirkt auch im Kopf. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Sr. M. Barbara von den Elisabethinen erklärt, warum Laufen auch für die Seele gut ist.
Wer es einmal probiert hat, spürt, dass es zwar anstrengend ist, aber ein sehr angenehmes Gefühl erzeugt: Laufen. Das ist wissenschaftlich untersucht. Unser Körper produziert beim Laufen Serotonine – Glückshormone. Sie sind die Belohnung für die Anstrengung.
Auf den Körper schauen. „Es hat etwas Befreiendes“, sagt eine, die es wissen muss: Sr. M. Barbara Lehner, Vikarin der Elisabethinen in Linz. Sie ist vor vier Jahren beim Linz-Marathon im Viertelmarathon mitgelaufen, in der Gruppe des Krankenhauses der Elisabethinen. Die Motivation für Sr. Barbara, das Laufen auszuprobieren, kam aus den Ignatianischen Exerzitien. Die erste Regel lautet dabei: ausreichend Schlaf, und als Zweites kommt Bewegung. Es gehört für sie zur christlichen Lebenshaltung, auf seinen Körper zu schauen. „Und bei Bewegung in der frischen Luft bietet sich das Laufen an“, meint Sr. Barbara.
Erfrischend. Für einen Marathon zu trainieren, ist eine andere Herausforderung, als so für sich zu laufen. Auch Sr. Barbara hat den „inneren Schweinehund“ bezwingen müssen. Sie ist am Abend gelaufen, tagsüber hat die Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule dafür keine Zeit. „Ich bin eineinhalb Stunden gelaufen und nach dem Duschen hab ich gedacht, dass ich jetzt arbeiten könnte wie in der Früh. Laufen erfrischt und stärkt, vor allem mental.“ Mittlerweile ist sie auf Walken umgestiegen. Und wenn sie längere Zeit keine Möglicheit dazu hat, fehlt ihr das. Einige ihrer Mitschwestern hat Sr. M. Barbara für das Walken begeistern können.
Lauf-Gruppe. Das Training für den Marathon hat Sr. M. Barbara auch anders überrascht: Sie hat in einer Gruppe trainiert und so Menschen aus dem Arbeitsbereich anders, menschlicher, kennengelernt. Sie hat natürlich gemerkt, dass ihr andere viel Aufmerksamkeit schenken, weil sie als geistliche Schwester beim Marathon mitgelaufen ist. Auslöser für die Teilnahme am Marathon war die Anfrage der „Liesl-Gruppe“, ob nicht eine Schwester aus dem Konvent teilnehmen möchte. Sr. M. Barbara ist mit Schülerinnen joggen gegangen und im Heimaturlaub gelaufen. Daher ist sie infrage gekommen.
Glauben und Laufen. Eine spirituelle Kraft im Sinn von: „Wie gebe ich meinem gelebten Glauben Ausdruck?“ hat das Laufen für Sr. M. Barbara nicht. Der Begriff „Spiritualität“ wird heute aber sehr weit verwendet. Das kann dann auch schon einmal heißen, dass jemand auf seinen Körper achtet. Aber die Ordensfrau hat mit der Teilnahme am Marathon einiges bewirkt. Für die Läufer/innen gibt es einen eigenen Gottesdienst in der Kirche der Elisabethinen. Einer der Stammtische im Vorfeld des Linz-Marathons findet im Fortbildungszentrum der Elisabethinen statt (heuer zum Thema „Die spirituelle Kraft des Laufens“). Und Sr. M. Barbara wurde eingeladen, im Wirtschaftsförderungsinstitut ein Seminar zu einem spirituellen Thema zu leiten.
Frei laufen. Menschen, die an ihre Grenzen stoßen, empfiehlt Sr. M. Barbara, Bewegung in der frischen Luft zu machen, weil das auf Körper, Geist und Seele wirkt. Erst vor Kurzem hat ihr eine Frau erzählt, dass sie in einer tiefen Krise gesteckt ist und die verschriebenen Medikamente nicht gut vertragen hat. Sie hat den Tipp bekommen, sie soll in die frische Luft und schnell gehen – ein bis zwei Stunden am Tag. Sie hat als Ergebnis gesagt: „Ich hab mir das wirklich runtergerannt.“
DGKS Sr. M. Barbara Lehner, Vikarin der Elisabethinen, Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Elisabethinen, eingetragene Mediatorin.