Das Linzer Ramsauergymnasium macht beim Tanz- und Theaterprojekt „I like to move it move it“ mit. Die Schüler schwitzen dabei in den Proben nicht für die spätere Ehre, sondern für Selbstvertrauen und Teamgeist.
Millimeter um Millimeter nähern sich die Oberschenkel dem Boden, weiten sich zum Spagat. Begleitet von klagenden Klängen aus dem Lautsprecher blicken einige Gesichter etwas schmerzverzerrt in der Runde. „Das ist eine Massage für die Schenkel“, lacht Goran. Der groß gewachsene Mann, Ende 30, ist beweglich wie eine Katze und im Probenraum des Ramsauergymnasiums der Einzige, der den Spagat richtig zusammenbringt: Kein Wunder. Goran Bogdanovski, früher Tanzstar an der slowenischen Staatsoper, ist absoluter Vollprofi. Er gibt sieben Mädchen, zwei Burschen des musisch-kreativen Zweiges am Ramsauergymnasium seit Mitte März einmal wöchentlich Tanzunterricht. Obwohl die Schüler/innen bei dem Linz09- Schulprojekt „I like to move it move it“ mit professionellen Künstler/innen arbeiten, geht es nicht um die totale Perfektion, nicht darum, einen Spagat fehlerfrei zu beherrschen.
Aufführung zweitranging. Wir üben mit dem was, die Leute können“, betont Simon Wieser vom Linz09-Projektteam. Mit Schlagworten wie Stärkung des Selbstbewusstseins, Teamgeist und Vertrauen, beschreibt der Lehramtsstudent die Projektidee. Es ist der Prozess des gemeinsamen Übens der zählt. Ob es überhaupt zu einer Aufführung kommen wird, ist für die Schüler/innen am Ramsauergymnasium deshalb auch zweitranging.
Hauptsache Bewegung. Am Schluss der Aufwärmrunde steht eine Art Fangenspielen auf dem Programm. Die Jugendlichen sollen sich dabei tänzerisch fortbewegen. „Wenn ihr nicht genau wisst, was ihr tun sollt, lauft einfach. Hauptsache Bewegung“, sagt Goran Bogdanovski mit lauter Theaterstimme. Fünf Minuten später kommt eine neue Anweisung. „Malt euch gegenseitig. Eure Hände sind eure Pinsel.“ Tanz und Zeichnen werden so verbunden. Das schaut gut aus und macht offensichtlich Spaß. So sehr, dass auch beim Pausenläuten keiner die Übungen abbricht und aus dem Probenraum hinausstürmt. Stephanie Bayer begründet den Eifer der Schüler später in einer der kurzen Pausen. „Das ist kein normaler Unterricht, das ist viel cooler. Und Goran ist wie ein Freund für uns.“ „Wir machen keine 08/15-Sachen“, lobt die 16-jährige Isabella Fellinger die Tanzimprovisation. „Ohne den üblichen Zeitdruck etwas machen können“, ist für Manfred Mollhuber das Außergewöhnliche an dem Projekt. Der Musiklehrer spricht viel von „Wir“, betont, dass Lehrer, Tanztrainer und Schüler/innen ein gleichwertiges Team bilden. Es sind engagierte Lehrer wie Mollnhuber und seine Kollegin, die „I like to move it move it“ mittragen. Und vielleicht dafür sorgen, dass das Pilotprojekt auch über Oberösterreichs Grenzen hinaus Schule macht.