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Am Krankenbett in die Schule gegangen

Ausgabe: 2009/18, Krankenbett, Schule, Propst Maximilian Fürnsinn, P. Paulus Kohler, Ordensgemeinschaft, Johannes von Gott, Herzensbildung, Barmherziger Bruder, Patient/innen, Drogentherapiestation, Lebenswelt, Klosterneuburg, Pflegeeinrichtung, Krankenhausfinanz
29.04.2009
- Hans Baumgartner
Vor über 40 Jahren stand Paulus Kohler zum ersten Mal als Barmherziger Bruder an einem Krankenbett. Heute unterstehen ihm acht Krankenhäuser, eine Kuranstalt und mehrere Pflegeeinrichtungen. Und dennoch geht er fast jeden Tag durch die Krankenstationen, um mit Mitarbeiter/innen und Patient/innen zu reden. „Ich bin glücklich und dankbar, dass ich das tun darf.“ Denn „Gutes tun und es gut tun“ (Ordensmotto) ist für ihn die „Predigt“ des Alltags. „So wie Jesus bei den Menschen sein, ihre Sorgen teilen und mit ihnen leben“.


Knapp nach neun öffnet mir Pater Paulus, der Prior des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg, die Tür. Ein schlichtes Büro, ein Marienbild, ein großer Schreibtisch, eine Kaffeemaschine. Während das Spital gerade auf den modernsten Stand umgebaut wird, ist hier schlichte Einfachheit zu spüren. Im Laufe des Gesprächs wird deutlich, P. Paulus ist einer, der lieber durch sein Tun als mit Worten redet. „Wenn man wirklich in der Nachfolge Christi für andere da sein will, dann sind die Ordensgelübde (Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut) ein guter Weg, der einen wirklich frei macht – auch was die heute oft so überbewerteten materiellen Bedürfnisse angeht. Der einen auch frei macht, sich von den Sachzwängen der Aufgaben nicht zuschütten zu lassen, sondern sich immer wieder die Zeit zu nehmen, um den Mitarbeiter/innen und Patient/innen mit Zuwendung und Aufmerksamkeit zu begegnen.“

Der „Manager“. So oft es geht, besucht P. Paulus die Krankenstationen und freut sich, wenn er helfen kann. Erst vor wenigen Tagen hat er einem Patienten, der ratlos gefragt hat, wo er denn ein Krankenbett für Zuhause herbekommt, kurzerhand ein leer stehendes Bett aus dem Spital mit einem ausgeborgten Auto in die Wohnung transportiert. Dabei kann sich P. Paulus über Arbeit nicht beklagen, denn er trägt für den Orden für acht Spitäler, eine Kur- und mehrere Pflegeeinrichtungen in Österreich, Ungarn und der Slowakei die Verantwortung. „Spitalsmanager“ lässt er sich trotzdem nicht gerne nennen, „denn ich habe ja viele ausgezeichnete Mitarbeiter/innen, auf die ich zählen kann“. Seine Managerqualitäten bekamen freilich schon so manche Politiker/innen zu spüren, denen P. Paulus mit harten Fakten zu Leibe rückte, um die jahrelange Benachteiligung der Ordensspitäler bei der Krankenhausfinanzierung zu beseitigen. „Jetzt“, so sagt er, und sein freundliches Gesicht verrät einen gesunden Stolz, „haben wir endlich eine Basis, mit der wir leben können und wo die von uns erbrachte Leistung für das Gemeinwohl auch honoriert wird.“

Hineingewachsen. Mit 20 Jahren ist Paulus Kohler in den Orden eingetreten. Ein Barmherziger Bruder aus Graz hatte ihn angesprochen. „Mir hat dann die Pflegearbeit am Krankenbett – auch in Verbindung mit dem Gebetsleben im Orden – immer besser gefallen.“ Das habe ihm auch geholfen, eine Zeit der Krise, wo er sich immer wieder gefragt habe, ob er das wirklich für sein Leben will, positiv zu überwinden. „Berufung“, sagt P. Paulus, „ist für mich eine Aufgabe, ein Leben, in das man Schritt für Schritt hineinwächst. Und bei jeder neuen Herausforderung geht es ganz einfach darum, dem möglichst nahe zu kommen, was unser Ordensgründer (Johannes v. Gott) gesagt hat: ,Das Gute tun und es gut tun.‘ Man muss es nur wollen, dann erlebt man auch die Freude und die Dankbarkeit, die daraus zurückkommen.“

Herzensbildung. Zehn Jahre hat Bruder Paulus in der Pflege gearbeitet. Dann hat er im Orden verschiedene Leitungsaufgaben, darunter auch zehn Jahre als Provinzial, übernommen. Das Krankenbett und die Kolleg/innen auf den Stationen waren aber seine eigentliche Schule. „Man muss die Menschen mögen, ansonsten sollte man diese Arbeit lassen. Bestmöglich fachliche Qualität ist wichtig, aber es muss auch das Herz dazukommen. Jesus hätte noch so faszinierend predigen können, hätte er nicht ein Herz für die Leute gehabt, wäre er nicht zur Hoffnung der Bedrückten, zum Erlöser für uns alle geworden“, ist P. Paulus überzeugt. Diesen Jesus der Zuwendung und Menschenfreundlichkeit in der oft sehr belastenden Situation des Krankseins und Sterbens sowie des ärztlichen und pflegenden Umgangs damit spürbar werden zu lassen – das „ist unsere Aufgabe als Orden und Krankenhauserhalter. Wenn wir das nicht bringen, dann braucht man uns nicht – nicht die Menschen und nicht die Kirche“, sagt P. Paulus. Die Barmherzigen Brüder in Österreich sind keine Priester, sondern „wir haben uns ganz bewusst dem Dienst am Menschen, dem Zeugnis des dienenden Jesus verschrieben.“ Das versuchen die kleinen Brüdergemeinschaften (meist zwei bis vier Leute, manchmal auch nur einer) an ihre Mitarbeiter/innen weiterzugeben. „Es geht um Herzensbildung, und das ist gar nicht so schwer. Ich sage jedem und jeder neuen Mitarbeiter/-in – ob Primararzt, Schwester oder Reinigungsfrau –, begegnet untereinander und den Patient/innen mit Freundlichkeit und Entgegenkommen.“ Auch Einladungen zur Mitarbeiter/innenbildung und zu gemeinsamen Gottesdiensten werden gerne angenommen.

Neue Aufgaben. In den vergangenen Jahren haben die Barmherzigen Brüder neben ihrer Ambulanz für Mittellose in Wien auch mehrere neue „Angebote“ für an den Rand Gedrängte eröffnet. Dazu gehören drei Ambulanzen und das Haus „Lebenswelt“ zur besseren Behandlung und Betreuung von Gehörgeschädigten oder eine Drogentherapiestation. „Jede Zeit“, so P. Paulus, „stellt die Frage wieder neu, was unser Dienst für die Menschen ist. Und wenn dann bestimmte Anliegen an uns herangetragen werden, prüfen wir, ob das unserem Auftrag entspricht und ob wir das mit unseren Möglichkeiten auch leisten können.“



Zur Sache


Die Männerorden feiern

Am Dienstag dieser Woche feierten die Männerorden Österreichs im Stift Klosterneuburg 50 Jahre Superiorenkonferenz. Für die Orden ist die mit Zustimmung Roms im Jahr 1955 errichtete Konferenz der Höheren Oberen (Superioren) ein Forum des kollegialen Austausches und der konkreten Zusammenarbeit in einer Reihe von Arbeitsfeldern. Sie vertritt gemeinsame Interessen der männlichen Ordensgemeinschaften innerhalb der Kirche sowie gegenüber Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Damit stärkt sie die Bedeutung der Orden und bündelt das Wirken der Gemeinschaften. Auf mehreren Arbeitsfeldern (Schulen, Spitäler u. a.) gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Frauenorden, die in den kommenden Jahren weiter vertieft werden soll.

Die Superiorenkonferenz ist aus der Konferenz der Stiftskämmerer und Äbte in der Zwischen–kriegszeit entstanden. Damals sind die Orden aus wirtschaftlicher Not enger zusammengerückt. Heute leistet die Superiorenkonferenz viele wichtige Dienste – auch wenn es darum geht, Werke von Orden wie Spitäler oder Schulen finanziell durch entsprechende Rechtsformen und Zusammenschlüsse finanziell abzusichern bzw. sie zu erhalten, auch wenn sie wegen Nachwuchsmangels von einzelnen Orden nicht mehr betrieben werden können. Die Superiorenkonferenz vertritt 85 Orden mit 285 Niederlassungen und 2223 Ordensmännern.


Propst Maximilian Fürnsinn vom Stift Herzogenburg ist Vorsitzender der Superiorenkonferenz.
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