Zugegeben: Das neue Fuzzman-Album ist nicht mehr ganz taufrisch, dafür aber das Beste, das Österreichs Indie-Popmusik seit Ewigkeiten zu bieten hat. Fuzzman ist Herwig Zamernik und der ist Bassist bei Naked Lunch, was die Befürchtung wach werden lässt, dass Zamernik als Fuzzman einfach nur jene Songs verwertet, die es bei Naked Lunch nicht auf Platte geschafft haben. Zum Glück werden wir eines Besseren belehrt:Eröffnet wird mit der wunderbaren Lo-Fi-Nummer „The Wild Gods“, bei dessen Refrain bereits Gletscher zu schmelzen beginnen. Das darauf folgende „Love & Laugh“ ist jene Single, die sich Naked Lunch immer gewünscht haben: ein hymnischer Popsong, der mit großen Gesten um die Ecke biegt. Wunderbar, wie Zamerniks Stimme sich bei „Old Man Down“ über den anschwellenden Elektro-Beat erhebt und mit einfachen Pianoakkorden mischt. Einzigartig die Bläser in „Based On Nothing“ und verstörend wie genial, wenn Fuzzman „Let’s Bury One“ mit den Zeilen „I hate myself, when I do listen to me“ intoniert. Selbst ein ganzer Seemannschor vermag im „Sailorman“ den Sommer nicht herbeizusingen – es bleiben nur Regen und Tränen. Und wenn Zamernik im „Discoman“ seinen Gesang durch den Stimmenverzerrer jagt, ziehen wir uns doch noch schnell die Tanzschuhe an. Das finale „Liabale“ verglüht als alternatives Kärntner-Volkslied am Pophimmel. Nein, die Sonne ist in Kärnten gewiss nicht vom Himmel gefallen, mit den Songs von Fuzzman strahlt sie heller denn je.
- Fuzzman – Fuzzman 2 (erschienen bei Wohnzimmer).