Vor 60 Jahren wurde in Innsbruck „SOS-Kinderdorf“ gegründet
Ausgabe: 2009/19, Nachkriegselend, Anstoß, 60 Jahre, Innsbruck, SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, Societas Socialis, Weltkonzern, Josef Koch, Maria Hofer
06.05.2009
Vor 60 Jahren hat Hermann Gmeiner mit einer kleinen Gruppe von Freundinnen und Freunden die „Societas Socialis“ gegründet. Heute sind die SOS-Kinderdörfer ein „Weltkonzern“, der 72.000 Kindern und Jugendlichen Heimat und Betreuung gibt.
Das Medizinstudium brachte Hermann Gmeiner unmittelbar nach dem Krieg von Alberschwende im Bregenzerwald nach Innsbruck. Dort engagierte er sich bald in der Katholischen Jugend und lernte dabei das Elend vieler Kinder und Jugendlicher kennen, die im Krieg ihren Vater oder gar beide Eltern verloren hatten. Mit einer Handvoll Studienfreunden und einigen tatkräftigen Frauen begann Gmeiner zu überlegen, was man gegen die drohende Gefahr der Schutzlosigkeit vieler Kinder tun könnte. Nach dem Motto „Reds nit, tuats was“, das später zu einem geflügelten Wort des „Kinderdorf-Vaters“ wurde, gründete die Gruppe am 25. April 1949 die „Societas Socialis“. Im Laufe der folgenden Wochen entwickelten Gmeiner und seine Mitstreiter/innen als konkretes Ziel die Gründung eines Kinderdorfes für Kriegswaisenkinder. Auf der Suche nach einem günstigen Grundstück erhielt Gmeiner auf zahlreiche Briefe nur vom Imster Bürgermeister Josef Koch, der selber ein Waisenkind war, eine positive Antwort. Vereinsmitglied Maria Hofer stellte mit 50.000 Schilling aus einem Grundverkauf das Startkapital zur Verfügung. Damit konnten der Baugrund in Imst und erste Spendenaufrufe finanziert werden. Ohne öffentliche Mittel, nur mit Unterstützung der Bevölkerung gelang es Gmeiner, 1951 die ersten vier Häuser im SOS-Kinderdorf (neuer Vereinsname) Imst für 40 Kriegswaisenkinder in Betrieb zu nehmen (siehe „Kopf d. Woche“).
Heute ist SOS-Kinderdorf in 132 Ländern mit 500 Kinderdörfern und 1400 begleitenden Einrichtungen (Kindergärten, Ambulanzen, Sozial-, Beratungs- und Ausbildungszentren) für rund 72.000 Kinder und Jugendliche tätig. In Österreich sind in den vergangenen 60 Jahren knapp 8000 Kinder und Jugendliche in SOS-Einrichtungen aufgewachsen.