5. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B), 10. Mai 2009
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06.05.2009
Wie ein Winzer ist Gott, der den Rebstock mit seinen Reben hegt und pflegt, damit er reiche Frucht bringt. Dieser Winzer legt seine Hände nicht in den Schoß und wartet; nein, er sorgt sich und müht sich ab. Ebenso will Gott von uns, dass wir Frucht bringen und dadurch zum Segen werden für andere.
Evangelium
Joh 15, 1–8
Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer. Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
1. Lesung
Apg 9, 26–31
Als er nach Jerusalem kam, versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen. Aber alle fürchteten sich vor ihm und konnten nicht glauben, dass er ein Jünger war. Barnabas jedoch nahm sich seiner an und brachte ihn zu den Aposteln. Er erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Weg den Herrn gesehen habe und dass dieser mit ihm gesprochen habe und wie er in Damaskus mutig und offen im Namen Jesu aufgetreten sei. So ging er bei ihnen in Jerusalem ein und aus, trat unerschrocken im Namen des Herrn auf und führte auch Streitgespräche mit den Hellenisten. Diese aber planten, ihn zu töten. Als die Brüder das merkten, brachten sie ihn nach Cäsarea hinab und schickten ihn von dort nach Tarsus. Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden; sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn. Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.
2. Lesung
1 Joh 3, 18–24
Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit. Daran werden wir erkennen, dass wir aus der Wahrheit sind, und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen. Denn wenn das Herz uns auch verurteilt – Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles. Wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.
Deine Treue
preise ich in großer Gemeinde; ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten. Die Armen sollen essen und sich sättigen; die ihn suchen. Aufleben soll euer Herz für immer.
aus Psalm 22
Wort zum Sonntag
Die Dynamik der Liebe
„Jene Rebe, die keine Frucht bringt, wird abgeschnitten. Sie verdorrt und man wirft sie ins Feuer. Jene Reben aber, die Frucht bringen, werden gereinigt, auf dass sie noch mehr Frucht bringen mögen . . .“ So berichtet uns Johannes sinngemäß in seinem Evangelium von einem Gott, der die Hände nicht in den Schoß legt und den Weinberg verkommen lässt, sondern dafür sorgt, dass die Reben reiche Frucht bringen. Gott fordert von uns, dass wir unser Leben dazu nutzen, um reiche Frucht zu bringen. Parallel dazu steht im Gleichnis von den Talenten bei Mt 25, 29: „Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.“ Jener Diener, der sein Talent vergraben hatte, hat sein Leben verwirkt. Er hat aus seinem Talent nichts gemacht und bekommt nun die Rechnung präsentiert. Umgekehrt belohnt Gott jene Menschen, die ihr Leben im Einklang mit ihm und mit sich selbst leben, die Frucht bringen und ein Segen sind für viele andere. Zwei Dynamiken zeigen sich hier: Zum einen ist ohne die Liebe nicht viel möglich. Jesus fern zu sein heißt zu verdorren, innerlich auszutrocknen und sich immer mehr zu verstricken in eine saft- und kraftlose und den Menschen letztlich unfrei machende Dynamik. – Hass, Missgunst und Gewalt versklaven uns. Sie wirken negativ auf uns und unsere Nächsten. Zum anderen wirkt die positive Dynamik der Gottesnähe: Sich und das Leben auszurichten auf die Liebe Gottes wirkt ansteckend! Freude, Leichtigkeit und wahre Freiheit kennzeichnen solche Menschen. Das reißt viele andere mit und bringt tausendfach Frucht. Nähe zu Gott meint letztlich, frei zu sein für die Liebe. Trotz aller Unwägbarkeiten, Rückschläge und Enttäuschungen in unserem Leben gilt es, diese Liebe immer wieder aufzuspüren, sie zu finden und „in ihr zu bleiben“.
Zum Weiterdenken
Das „Hohelied der Liebe“ (1 Kor 13) bei Paulus beschreibt den Stellenwert, den die Liebe im Leben eines Menschen hat. Wenn wir in dieser Liebe leben, bleiben wir in Christus und Christus bleibt in uns.
Michael Willam ist der Leiter des EthikCenters (www.ethikcenter.at) der Katholischen Kirche Vorarlberg.