Die Reise Papst Benedikts ins Heilige Land gilt als seine bisher schwierigste. Das denkt auch der katholische Priester Markus Bugnyar. Er bezeichnet sie als „Minenfeld“.
Welche Erwartungen gibt es im Heiligen Land hinsichtlich des Papstbesuchs? M. Bugnyar: Der Besuch wird wahrgenommen als ein Zeichen der Solidarität und der Aufmerksamkeit. Der Staat Israel betrachtet ihn einerseits als einen offiziellen Staatsbesuch. Andererseits erwartet man sich vom Papst auch klare Aussagen zu verschiedenen Themen der vergangenen Wochen. Der Heilige Vater wird die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem besuchen und man hält es für sehr wahrscheinlich, dass gerade er als deutscher Papst dort noch einmal ganz klare Worte finden wird; und dass er hier in Israel nochmal das Thema rund um die Affäre der Piusbruderschaft und des Bischofs Williamson aufgreift.
Was wünschen sich die Christen? M. Bugnyar: Von Seiten der arabischen Christen, besonders der Palästinenser, gibt es eine deutliche Erwartungshaltung, dass der Papst klar benennt, was an ihrer Situation als Minderheit hier im Land als beklagenswert erscheint. Manchmal hört man, dass der Besuch Benedikts jetzt nach dem jüngsten Gaza-Krieg zu früh sei. Die Menschen sorgen sich, dass das von israelischer Seite als Bestätigung ihrer Positionen und Sichtweisen im Hinblick auf den Konflikt gesehen werden könnte.
Das bedeutet, der Papst kommt in eine heikle politische Situation? M. Bugnyar: Ja. Politisch gesehen, und das ist der zweite Grund wieso manche Leute glauben, dieser Besuch sei zu früh angesetzt, ist die Regierung in Israel noch nicht so lange im Amt. Bislang gab es zwar Absichtserklärungen und Reden, aber noch keine konkreten Taten. Und es ist einfach Fakt, wir haben zurzeit eine sehr rechtslastige Regierung. Aus innenpolitischer Perspektive werden jetzt die Karten neu gemischt und man versucht Fuß zu fassen bei den neuen Regierungsparteien. Aber was das politisch heißt und wie sich das weiter entwickelt, wird sich erst zeigen.
Wie schwierig schätzen Sie diese Reise ein? M. Bugnyar: Diese Reise ist ein Minenfeld. Die Erwartungshaltungen sind hoch. Wenn der Papst wirklich versuchen sollte, jeder Gruppe hier seine Ansichten darzulegen und zwar so, dass sie auch nachvollziehbar sind für jeden Einzelnen, dann wird es ein Hindernislauf. Hinsichtlich der unterschiedlichsten Gruppen hier im Land gibt es zig Möglichkeiten zu sagen, das war zu wenig an Wortmeldung, diesen oder jenen Ort hätte er nicht besuchen sollen oder es war nicht gerade ein glorreicher Zeitpunkt für den Besuch. Vor drei Tagen hat es in Nazaret Flugblätter von muslimischen Organisationen gegeben, die dazu aufgerufen haben, den Papstbesuch zu stören. Das sind vielleicht vereinzelte Leute, die so etwas initiieren; aber es gibt auf verschiedensten Fronten und Ebenen Fragen und Problemstellungen bezüglich des Besuchs. In diesem Pontifikat ist es bislang politisch und religiös gesehen die schwierigste Reise des Heiligen Vaters.
Im Blick
Schwierige Reise
Impulse für die christlich-jüdischen Beziehungen und eine Rückenstärkung der lokalen Christen: das erhofft sich Kurienkardinal Walter Kasper von der Papstreise ins Heilige Land. Gerade nach den Schwierigkeiten der vergangenen Wochen gehe es der Kirche um die Stabilisierung der Beziehungen zum Judentum. Zugleich bemühe man sich um eine Vertiefung des Dialogs mit den Muslimen. Es sei eine schwierige Reise, so Kasper. Die politische als auch die kirchliche Situation in Nahost sei alles andere als einfach. In Jerusalem treffe der Papst „praktisch die ganze gespaltene Christenheit“. Keinesfalls wolle Benedikt die katholischen Christen vergessen, deren Situation in Israel wie in den Palästinensergebieten nicht leicht sei.