Es gibt Bilder und Worte, die das Herz mit einer unerklärlichen Wärme und Geborgenheit erfüllen. So den Glauben zu vermitteln – dass Gott mit diesen Gefühlen tief im Innersten sehr viel zu tun haben kann – kann die Herzen der Menschen öffnen.
Evangelium
Joh 15, 9–17
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. Dies trage ich euch auf: Liebt einander!
1. Lesung
Apg 10, 25–26. 34–35. 44–48
Als nun Petrus ankam, ging ihm Kornelius entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm nieder. Petrus aber richtete ihn auf und sagte: Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch. [. . .] Da begann Petrus zu reden und sagte: Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist. [. . .] Noch während Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten. Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen. Petrus aber sagte: Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben? Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen. Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.
2. Lesung
1 Joh 4, 7–10
Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.
Auf Erden hast du
keinen anderen Leib als den unseren, keine anderen Füße als die unseren, keine anderen Hände als die unseren.
Unsere Augen zeigen dein Mitleid mit der Welt. Unsere Füße tragen dich, um Gutes zu tun. Mit unseren Händen wirst du jetzt segnen.
Teresa von Avila
Wort zum Sonntag
Gott und die unerklärliche Wärme
„Nein, ich glaube nicht an Himmel, Hölle, an Gott oder an die Katholische Kirche! Das ist doch alles erfunden worden, um die Menschen zu kontrollieren und zu unterdrücken!“, so äußerte sich eine Bekannte vor ein paar Tagen. Wir haben es also wieder mal nicht geschafft. Wir als Kirche haben es verpasst, einem Menschen das zu vermitteln, was den Kern unseres Glaubens ausmacht: Gottes bedingungslose Liebe zu uns Menschen. Im Laufe des Gesprächs mit der Bekannten wurde schnell deutlich, dass die klassischen kirchenpolitischen Streitthemen wie Zölibat, Frauenpriestertum oder auch die Verhütungsdebatte den Blick auf das Eigentliche völlig verstellt haben. In der breiten Öffentlichkeit, so der Eindruck, welcher sich in vielen Gesprächen mit sog. „Kirchenfernen“ immer wieder bestätigt, geben wir ein jämmerliches Bild ab: Geschüttelt von Skandalen auf diözesaner oder weltkirchlicher Ebene treiben uns die Medien in ihren Schlagzeilen vor sich her und treten Menschen in Scharen aus der Kirche aus. Keine Spur von Erlösung. Keine Spur von dieser so befreienden Botschaft für die Menschen. Mehr noch, Menschen, die der Kirche fernstehen, wissen gar nicht mehr, was eigentlich der Kern des Christentums wäre! Die zuvor erwähnte Bekannte schaute mich verwundert an, als ich ihr erklärte, dass Gott die Liebe sei. Ich erzählte ihr von der Erfahrung, dass der Heilige Geist spürbar wird, wenn diese Liebe in uns aufkeimt. Dass es Gott ist, der unser Herz erfüllt mit dieser unerklärlichen Wärme und Geborgenheit. Sie hörte zum ersten Mal, dass Gott mit diesen Gefühlen tief in ihrem Innersten sehr viel zu tun hat. Und sie wusste genau, wovon ich sprach.
Zum Weiterdenken
Begegnung. Die vielleicht einzige Chance, Menschen den Blick auf Christus wieder freizulegen, liegt in der persönlichen Begegnung. In Auseinandersetzung mit den Erfahrungen, Ängsten, Wünschen und Träumen der Men-schen haben Christinnen und Christen ein unschlagbares Deutungsangebot anzubieten: Den Gott der bedingungslosen Liebe!
Michael Willam ist der Leiter des EthikCenters (www.ethikcenter.at) der Katholischen Kirche Vorarlberg.