Sie sind vielerorts aus dem Blickfeld geraten: die drei Bitttage vor Christi Himmelfahrt, an denen die Gläubigen um ein gutes Gedeihen der Feldfrüchte beten. Wohl nicht nur die Tage, auch das Bitten selbst steht nicht gerade hoch im Kurs. Wer bittet zeigt, dass er aus Eigenem nicht imstande ist, das Gewünschte zu vollbringen. Im Zeitalter der Leistungsanbieter wäre das nicht gerade das beste Renommee. Bitten, das müssen die Bettler. Und wer möchte schon Bettler sein? Und trotzdem gibt es die Dinge, die man nicht einfach kaufen oder leisten kann – und sie sind sogar von entscheidender Bedeutung für das Leben. Verzeihung zum Beispiel. Unsere Zeit setzt eher auf Rechtsansprüche statt auf Gnade, um die man bitten muss, angewiesen zu sein. Wir bauen auf Garantien. Aber die Welt der garantierten Lebensansprüche ist brüchig geworden. Das Glück ist nicht nur verhandelbar und mit Verträgen zu sichern. Es steht einem nicht einfach zu. Die Beziehung zwischen Menschen stirbt, wenn sie nur mehr im Erfüllen von Ansprüchen besteht. Im Evangelium steht: Bittet, und ihr werdet empfangen – nicht: Stellt einen Antrag, wir prüfen ihn dann. Wo man bittet, ist Raum für Menschlichkeit.˒