Die Katholische Männerbewegung feiert in Melk ihren 60. Geburtstag
Ausgabe: 2009/21, Biertisch, Leopold Wimmer, Diözese St. Pölten, KMB, KMB-Jubiläum, Männerpolitik, Melk, Männerglaube,
20.05.2009
- Hans Baumgartner
Sie ist in die Jahre gekommen – aber längst nicht überholt. Am 24. Mai feiert die Katholische Männerbewegung Österreichs im Stift Melk ihren 60. Geburtstag. Seit 50 Jahren gibt es die Aktion Bruder in Not/Sei so frei. Ein Gespräch mit Leopold Wimmer, dem Vorsitzenden der KMBÖ.
Warum soll heute jemand zur KMB gehen? Wimmer: Ich bin überzeugt, dass es auch heute, oder besser gesagt, gerade heute, eine große Zahl von Männern gibt, die nach Möglichkeiten suchen, sich über das übliche Biertischgespräch hinaus mit anderen Männern auszutauschen – über ihre Lebenswelt in Partner- schaft, Familie und Beruf, über gesellschaftliche Fragen, über ihren Glauben. Gemeinschaften, in denen man miteinander unterwegs ist, sind heute etwas sehr Kostbares.
Das Melker Festprogramm bietet eine bunte Vielfalt an Programmpunkten. Welches Ziel verfolgen Sie damit? Wimmer: Wir möchten damit erfahrbar machen, dass die KMB etwas sehr Lebendiges ist. Wir wollen Räume der Begegnung schaffen, wo Gemeinschaft erfahrbar wird; wir wollen miteinander feiern und beten. Und wir wollen zur Sprache bringen, was uns bewegt. Was sind – auch im Blick auf unsere Wurzeln – die Herausforderungen heute. Da stehen drei Schwerpunkte im Fokus: Männerglaube, Männerpolitik und Solidarität mit den Armen in der Welt.
Männerglaube – worum geht es Ihnen da? Wimmer: Seit Beginn der KMB spielten Männertage, wo vorwiegend Laien über ihren Glauben gesprochen haben, Männerwallfahrten, Einkehrtage oder die sogenannten Aktivistenrunden eine wichtige Rolle. Nach dem Prinzip „sehen – urteilen – handeln“ versuchten sie, das konkrete persönliche und gesellschaftliche Leben in Beziehung zum Evangelium zur Sprache zu bringen. Ich sehe die Herausforderung für die KMB immer wieder darin, Männern Orte und Gemeinschaften zu bieten, wo sie einen Erwachsenenglauben entwickeln können, der mit ihrem Leben zu tun hat, mit ihren beruflichen, familiären und gesellschaftlichen Erfahrungen, einen Glauben, der ihr Leben trägt. Ein weiterer Schritt hat damit zu tun, dass heute in Glaubensdingen oft eine große Sprachlosigkeit herrscht. Wir möchten mit unseren Angeboten Männer befähigen und ermutigen, über ihren Glauben in ihrer Sprache zu reden.
Was bedeutet für die KMB das Schlagwort „Männerpolitik“? Wimmer: Da geht es uns vor allem darum, das Rollenbild des Mannes in der heutigen Gesellschaft zu reflektieren. Was bedeutet Mannsein in unseren verschiedenen Lebensbereichen. Wie gestalten wir eine echte Partnerschaft zwischen Mann und Frau? Wie werden wir unserer Aufgabe als Väter, die sich aktiv an der Betreuung und Erziehung der Kinder beteiligen, gerecht? Wie finden wir als Christen eine gesunde Balance zwischen familiärem, gesellschaftlichem und beruflichem Engagement. Unser Ziel ist es, um mit Professor Zulehner zu sprechen, „vom halbierten Mann“ zum „ganzen Mann“ zu kommen, der in allen Lebensbereichen seinen Platz findet.
Welche Rolle spielt Politik im engeren Sinne für die KMB heute? Wimmer: Fragen der Gerechtigkeit und der Solidarität spielen für die KMB eine wichtige Rolle. Viele unserer Mitglieder engagieren sich daher auch dafür in ihrem beruflichen Umfeld, in der Gemeinde oder Pfarre. Aus diesem Engagement ist vor 50 Jahren auch unsere Entwicklungspolitische Aktion „Bruder in Not“/„Sei so frei“ entstanden, die uns bis heute ein großes Anliegen ist. Dass wir auch in Zeiten der Krise die Armen nicht vergessen, ist gerade jetzt eine große Herausforderung.