7. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr B), 24. Mai 2009
Ausgabe: 2009/21, Paradiesvogel, 7. Sonntag der Osterzeit, Exoten, Sonderlinge, Wort zum Sonntag, Michael Willam, Evangelium, Lesung, Karl Rahner, göttliches Lachen, Apostelgeschichte
20.05.2009
Um das Auffallen um jeden Preis geht es nicht. Vielmehr geht es darum, zum eigenen Glauben zu stehen und die Botschaft Jesu zu den Menschen zu bringen – farbenprächtig und so voller Leben.
Evangelium
Joh 17, 6a. 11b–19
Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. [. . .] Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
1. Lesung
Apg 1, 15–17. 20a.c–26
In diesen Tagen erhob sich Petrus im Kreis der Brüder – etwa hundertzwanzig waren zusammengekommen – und sagte: Brüder! Es musste sich das Schriftwort erfüllen, das der Heilige Geist im Mund Davids im Voraus über Judas gesprochen hat. Judas wurde zum Anführer derer, die Jesus gefangen nahmen. Er wurde zu uns gezählt und hatte Anteil am gleichen Dienst. [. . .] Denn es steht im Buch der Psalmen: [. . .] Sein Amt soll ein anderer erhalten! Einer von den Männern, die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging, angefangen von der Taufe durch Johannes bis zu dem Tag, an dem er von uns ging und (in den Himmel) aufgenommen wurde – einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein. Und sie stellten zwei Männer auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias. Dann beteten sie: Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war. Dann gaben sie ihnen Lose; das Los fiel auf Matthias, und er wurde den elf Aposteln zugerechnet.
2. Lesung
1 Joh 4, 11–16
Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.
Das leise göttliche Lachen
Gottes Geist ist das Glück ohne Grenzen, das die Bäche unserer Tränen in ihren letzten Quellen schon zum Versiegen gebracht hat, auch wenn sie das Flachland unserer Erfahrung noch so sehr überschwemmen. Gott ist in uns als die Liebe, die uns liebt und uns lieben macht, verschwenderisch, frohlockend, obwohl wir kalte, kleine und enge Herzen haben. Gott ist das Lachen, das hinter unserem Weinen schon leise aufklingt. Wir sind mehr, als wir wissen.
Karl Rahner
Wort zum Sonntag
Exoten und Sonderlinge
Von einer Zeit des Abschieds, des Übergangs und der Unsicherheit berichtet uns das Johannes-Evangelium diesmal. Bevor Christus zu seinem Vater zurückkehrt, betet er intensiv für seine Freunde. Tatsächlich war es für die christlichen Gemeinden bis zu Beginn des 4. Jahrhunderts alles andere als leicht. Immer wieder wurden sie von brutalen Verfolgungswellen erschüttert. Sie waren die Feindbilder, die Sektierer, die Sonderlinge, und sie wurden immer wieder als ernsthafte Bedrohung des Römischen Reiches angefeindet. Ihr christliches Gemeindeleben fand größtenteils im Untergrund statt. Riesige Katakombenanlagen in der Umgebung von Rom zeugen noch heute von dieser schwierigen Zeit und lassen einen erahnen, wie gefährlich es phasenweise gewesen sein muss, Christin oder Christ zu sein und in der Öffentlichkeit dazu zu stehen.
Heute wird Gott sei Dank zumindest in unserem Kulturraum niemand mehr mit dem Leben bedroht, wenn er sich als gläubiger Christ „outet“. Während die Bedrohung und die Gefahr für Leib und Leben gewichen sind, scheint die Situation heute in einer anderen Hinsicht vergleichbar: Man outet sich in gewisser Weise als Sonderling, als Exot und als bisweilen süffisant belächelter Träumer, wenn man heute in der aufgeklärten und säkularisierten Welt noch an Gott glaubt und „in die Kirche geht“. Auch in dieser Situation braucht es Mut, zum Glauben und zur eigenen Überzeugung zu stehen. Sind wir Christen in Europa vergleichbar mit dem jämmerlichen Häufchen an Jüngern, die sich aus Angst versteckt halten? Womöglich sind wir auch heute schon bald auf den Heiligen Geist angewiesen . . .
Zum Weiterdenken
Man muss sich schon was einfallen lassen, um beim vorgebrachten Schwall an üblicherweise kirchenkritischen Anfragen das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren: Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm (vgl. 2. Lesung). Diese lebendige Botschaft ist schon über 2000 Jahre lang auch in schwierigen Zeiten das Lebenselixier der Christinnen und Christen.
Michael Willam ist der Leiter des EthikCenters (www.ethikcenter.at) der Katholischen Kirche Vorarlberg.