Mit dem Slogan „Abendland in Christenhand“ will die FPÖ derzeit Stimmen für die EU-Wahl am 7. Juni gewinnen. Was löst der Ausländer-Wahlkampf bei jungen Migranten aus? Und was würden sie sich von der Politik wünschen?
Der 19-jährige Sefa ist zornig: „Wenn es wenigstens nur gegen Ausländer gehen würde. Da hätte ich gesagt: ,Passt schon‘. Aber wenn es gegen uns Muslime geht, trifft mich das besonders. Ich lebe seit meinem 2. Lebensjahr in Österreich. Ich habe die Kultur von hier, aber bin halt Moslem. Die sollen uns unseren Glauben lassen.“ „Strache denkt, dass er besser ist als wir Ausländer. Das ist er aber sicher nicht“, meint Sefas Freund Arijan (17). So wie der türkischstämmige Sefa und der gebürtige Albaner Arijan kommen neben den so genannten „richtigen“ Österreicher/innen viele Jugendliche mit Migrationshintergrund ins Welser Jugendzentrum D22. Von der katholischen Kirche geführt, ist hier jeder Jugendliche willkommen, egal ob Christ oder Moslem. Die aktuellen Parolen gegen Fremde führen unter den Teenagern zu hitzigen Debatten über die Themen Ausländer und Integration. „Nach mehreren Jahren sollen die Fremden schon gescheit Deutsch können“, meint etwa die 17-jährige Elisabeth, die einen Teil ihrer Kindheit in der Slowakei verbracht hat. „Und was ist mit einem 60-jährigen Moslem, wie soll der noch Deutsch lernen?“, entgegnet ihr Arijan.
Ausländer als Sündenböcke. Einig sind sich die Jugendlichen jedoch, dass Ausländer in der Bevölkerung oft als Sündenböcke herhalten müssen. „Wenn ein Fremder was anstellt, sind gleich alle kriminell. Es gibt aber auch genauso kriminelle Österreicher“, sagt Sefa. Ob es Discos sind, wo sie nicht rein dürfen oder Passanten, die hinter ihrem Rücken „Scheiß Ausländer“ murmeln. Fast jede/r von den Teenagern im D22 kennt das aus eigener Erfahrung. Jetzt im Wahlkampf sind die Diskriminierungen besonders zu spüren. An die Politiker/innen haben die Jugendlichen deshalb vor allem eine Erwartung: „Sie sollen sich nicht speziell um Migranten kümmern, sondern einfach keinen Unterschied machen zwischen Fremden und Österreichern“. Arijan: „Und dass sie besser nachdenken, bevor sie etwas sagen.“