Die Europäische Union ist für die meisten Menschen weit weg, und da lässt sich über die „in Brüssel“ gut schimpfen. Das ist nicht nur eine Frage des Wissens, sondern auch eine emotionale Frage, meint der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler (s. Interview). Woran es mangelt, sei weniger die Information als der Dialog. Die Menschen brauchen Anlaufstellen, wo sie ihre Fragen, Anliegen und Sorgen vorbringen können und dabei auch ernst genommen werden.
Die Kirche ist für immer mehr Menschen weit weg. Die Jugendstudie spricht von einem „heimatlosen“ Glauben. Der Glaube an einen „Gott“ ist für das Leben zunehmend bedeutungslos, weil er immer weniger in einer religiösen Praxis beheimatet ist. Auch das ist weniger eine Frage des Wissens als der emotionalen Bindung. Dialog und Ansprechpartner, die die Anliegen der Menschen ernst nehmen und sie nicht im Kreis schicken, wären gefragt. Da schmerzt es besonders, wenn in diesen Tagen vom obersten Kirchengericht in Rom entschieden wurde, dass die Bischöfe Menschen mit kritischen Fragen, Menschen, die sich zu Anliegen des „Kirchenvolksbegehrens“ bekennen, von kirchlichen Räten ausschließen können.