Ausgabe: 2009/23, Brasilien, Franziskus, Kopf der Woche, Dom Luiz Cappio, Staudamm
03.06.2009
- Susanne Huber
Der Weltumwelttag am 5. Juni erinnert uns daran, achtsam mit der Schöpfung umzugehen. Einer, der sich seit fast 20 Jahren aktiv für die Umwelt einsetzt, ist der brasilianische Bischof von Barra, Luiz Cappio.
Geboren wurde Luiz Cappio am Tag des heiligen Franziskus, am 4. Oktober 1946. Aufgewachsen ist er in einer wohlhabenden Familie in São Paulo. Mit knapp 20 Jahren entschließt er sich, in den Franziskanerorden einzutreten. 1974 lässt er auch den reichen Südosten hinter sich und bricht in den armen Nordosten auf. „In den vergangenen 40 Jahren meines Lebens habe ich bei den Armen in den Dörfern entlang des Rio São Francisco mehr über die Würde der Arbeit gelernt, als ich selber lehren kann. Etwa über die Freude des Teilens selbst unter größten Entbehrungen, über die Sorgfalt mit den Früchten der Erde, dem Wasser, den Wäldern, den Tieren“, so der Bischof in seiner Dankesrede, als ihm im Mai der Kant-Weltbürgerpreis im deutschen Freiburg überreicht wurde.
Protest. 1992 beginnt Cappio seine berühmte Wallfahrt entlang des 2800 Kilometer langen Rio São Francisco. Dabei wird ihm klar, dass die dramatische Situation der dort ansässigen Bevölkerung, ausgelöst u. a. durch Waldrodungen und den Bau von Wasserkraftwerken, Teil einer globalen Krise ist. Als 2005 das Flussumleitungsprojekt durch die Regierung Brasiliens beschlossen wird, macht der Bischof noch im selben Jahr mit seinem Protest durch Fasten und Beten auf die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen des Projekts aufmerksam. Weltweit erregt er damit Aufsehen, viele Menschen zeigen sich solidarisch. 2007 wiederholte er den Hungerstreik. Trotzdem wird das Projekt vorangetrieben. Nach wie vor setzt sich Dom Luiz Cappio für dessen Baustopp ein.
„Ich bin davon überzeugt, dass eine gerechte und friedfertige Gesellschaft, die lebt und leben lässt, nur aus aus einer ökosozialen Perspektive heraus möglich ist. Eine ökologische Produktion und ein solidarischer Zugang zu den Gütern der Welt werden uns zur Überwindung der aktuellen Krise führen.“