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Wickel, Tees und überlieferte Rezepte, all das ist „TEM“. Die Abkürzung steht für„Traditionelle Europäische Medizin“. Alte Heilkunde wird wiederentdeckt.
Wer sich mit alternativer Medizin beschäftigt, stößt unweigerlich auf „TCM“ – „Traditionelle Chinesische Medizin“. Als Antwort darauf wird für die einheimische Heiltradition das Kürzel „TEM“ verwendet – „TraditionelleEuropäische Medizin“. „Das ist genauso altes Wissen wie die TCM oder Ayurveda (Anm: indische Heiltradition), aber wie so oft gilt: Was vor der eigenen Tür ist, schätzt man nicht“, meint Elisabeth Rabeder. Sie ist Betriebsleiterin des Kneipp Kurhauses der Marienschwestern in Bad Mühllacken im Mühlviertel und begleitet Menschen in Fastenwochen nach der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM).
Fünf Säulen. Hippokrates, Hildegard von Bingen, Paracelsus, Kneipp – ihre Lehren sind unter anderem Bestandteil der TEM. Die fünf Säulen der Gesundheit, die Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) formuliert hat, gelten für Elisabeth Rabeder für die gesamte TEM: Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen, Wasser, Lebensordnung. Wer zum Beispiel „Ernährung“ und „Bewegung“ beachtet, die anderen drei Säulen aber nicht, fühlt sich trotz „gesunder Lebensweise“ nicht glücklich. Was wir heute oft vergessen, ist die Säule „Lebensordnung“. Dazu gehören auch soziale Kontakte. Wer miteinander isst oder Feste feiert, redet miteinander. Zur Heilkräuter-Säule regt Elisabeth Rabeder an, auf die Jahreszeiten zuachten. Sie sind bei uns sehr ausgeprägt, in anderen Teilen der Erde ist das nicht so. „Ich habe für jedes Wehwechen eine Pflanze – ein Kraut, eine Wurzel oder Beere – ich brauche nichts, was gerade nicht Saison bei uns hat, etwa im Winter Kiwis aus Neuseeland“, sagt sie. „Ich kann auf das eingelagerte Gemüse schauen, das hat genug Vitamin C.“
Mehr Eigenverantwortung. Mit der Heilkraft der Pflanzen arbeiten auch Homöopathie und Bachblüten. „Ich würde michhüten, das als Allheilmittel zu sehen“, sagtElisabeth Rabeder. Vor allem mit Bachblüten wird viel Geschäftemacherei betrieben. Alsbegleitende Maßnahme sind beide Ansätze wirksam. Rabeder beobachtet zum Beispiel, dass Kindern damit gut geholfen werden kann. Sie ist überzeugt davon, dass wirMenschen fähig sind, kleinste Botschaften, wie sie etwa homöopathische Tropfen enthalten, zu lesen. „Wir können nicht alles mit dem Verstand begreifen“, so die Fastenleiterin: „Wir sollen aber dankbar sein dafür, dass wir das haben.“ Viele Menschen haben Angst, weil sie so verschiedene Meinungen und „Wahrheiten“ hören. Dazu meint Elisabeth Rabeder: „Der Mensch muss wieder mehr Verantwortung übernehmen und vertrauen auf das, wo es ihn hinzieht. Wir müssen wieder lernen, auf unser Gespür zu horchen.“
Zur Sache
„Kochen nach den fünf Elementen“ – zu diesem Thema gibt es regalweise Kochbücher. Zu Erde, Feuer, Wasser und Luft kommt in der fernöstlichen Tradition Metall als fünftes Element hinzu. Dass auch in der europäischen Tradition Heil- und Lebensmittel den vier Elementen zugeordnet werden, wissen meist nur jene, die sich bewusst mit Traditioneller Europäischer Medizin beschäftigen. Der griechische Arzt Hippokrates (ca. 460 bis 370 v. Chr.) hat die vier Charaktere benannt – Sanguiniker, Choleriker, Phlegmatiker und Melancholiker. Ihnen wird jeweils einElement zugeordnet. Mit der richtigen Behandlung können eventuelle Überschüsse ausgeglichen werden.
Einige Beispiele für Kräuter, die zu Entgiftungen nach den vier Elementen passen:
Sanguiniker (heiter, aktiv) – Element Luft: Sanguiniker brauchen trocknende und kühlende Behandlungen. Gut tun Schachtelhalm, Königskerze, Spitzwegerich und Eibisch.
Phlegmatiker (passiv, schwerfällig) – Wasser: Wärme und Trockenheit fehlt den Phlegmatikern. Ausgleichen können das Minze, Anis, Kamille, Rosmarin, Brennessel (starkwärmend und trocknend)
Choleriker (aufbrausend) – Feuer: Befeuchtend und kühlend sollen Behandlungen für Choleriker wirken. Helfen können: Birke, Löwenzahn,Ringelblume, Malve, Baldrian, Hopfen (beruhigend).
Melancholiker (nachdenklich) – Erde: Melancholiker brauchen mehr Feuchtigkeit und Wärme. Angewandt werdenJohanniskraut und Melisse (aufhellend), Schlüsselblume, Gewürznelken, Fenchel, Spargel.
Keines der Elemente darf fehlen. Es ist wichtig, sich selbst zubeobachten und zu suchen, wo Ungleichgewicht herrscht.