Wenn Jarvis Cocker, Ex-Frontman von Pulp, ein neues Album ankündigt, dann freuen wir uns auf eine ausufernde Synthiepopplatte. Als dann aber die ersten Gitarren im Titelsong „Further Complications” vom Stapel gelassen werden, ist von Pop weit und breit keine Spur. Jarvis macht jetzt genau den Rock, den er früher so schön verspottet hat. „Angela”, die erste Single, ist dann gleich der nächste rockige Kracher, den der Kassenbrillenträger vom Stapel lässt. Und so recht mag man sich an die neuen Töne nicht gewöhnen. Die Erlösung kommt mit dem schmachtenden „Leftovers”, das an den Pulpklassiker „Common People” erinnert. Und Cocker singt sich zurück in die Herzen der Britpop-Fans: „I want to be your lover (...) I could be your teddy bear”. Doch bald darauf das verstörende „Homewrecker!” mit wilden Saxofonsolis und einem fast hysterischen Sänger. Ein beinahe unscheinbares und verhuschtes „Hold Still” spendet dann doch wieder Trost, ehe sich Cocker mit dem „Caucasian Blues“ in den Wahnsinn rockt. Und wenn sich dann der ganze Irrsinn dem Ende entgegenneigt, wird mit „Slush” doch noch alles Pop. Schließlich beginnt sich mit „You’re In My Eyes (Discosong)” langsam die Discokugel zu drehen, Bobby Womack grinst verstohlen um die Ecke und Jarvis Cocker entwischt mit den Zeilen „They might never catch us / I don’t want to lose you again” in den 70er Jahren, während wir zurückbleiben und uns die 90er herbeisehnen.
- Jarvis Cocker – Further Complications (erschienen bei Rough Trade).