Die Jugendmessen in Aigen/Schlägl sind auch nach 30 Jahren noch ein voller Hit und Innovationsmotor für Gottesdienste
Ausgabe: 2009/23, Jugendmesse, Schlägl, Aigen,Gottesdienst, Musik
08.06.2009
- Paul Stütz
„In erster Linie soll man bei der Gestaltung von Jugendgottesdiensten nicht fragen: ,Ja, dürfen’s denn das?’, sondern man soll Mut haben, Neues auszuprobieren“, meint Diözesanjugendseelsorger Jakob Eckerstorfer. In Schlägl wird dieses Prinzip seit 30 Jahren erfolgreich angewendet. Der Lohn: ein volles Haus bei den Jugendmessen.
Einmal im Monat steigt im Stift Schlägl die Jugendmesse der Region Oberes Mühlviertel. Die Kirche ist dabei an diesen Samstagabenden meistens so bummvoll wie seit den ersten Tagen im Jahr 1979. Wie kann man den ungebrochen großen Zuspruch zu den Messen erklären? Besonders der unkonventionelle Zugang spricht viele junge Menschen an, erzählt Jakob Eckerstorfer. Der 35-jährige Ordensbruder des Stiftes Schlägl kennt die Jugendmessen selbst aus seinen Jugendtagen. Heute ist der Diözesanjugendseelsorger einer der Hauptverantwortlichen dafür. Jugendliche haben bei der Gestaltung von Gottesdiensten eine gewisse Innovationspflicht, erklärt der Priester. Bei den Schlägler Jugendmessen kann es deshalb schon einmal vorkommen, dass sich die Gottesdienstbesucher die Augen beim Eingang in die Kirche zubinden lassen müssen oder Predigten in Dialogform gebracht werden. Das „Publikum“ dankt es mit höherer Aufmerksamkeit. Die Jugendlichen sollen sich bei der Gestaltung nicht selbst zensurieren, sondern Mut haben, Neues auszuprobieren, betont der Seelsorger. Und: Viele der frischen Ideen, die aus Schlägl stammen, werden von den Jugendlichen auch in ihren Pfarren aufgegriffen.
Musik spielt wichtige Rolle. Ein wichtiger Schlüssel, um die Jugendlichen zu erreichen ,ist außerdem die Musik. „Der musikalische Schwerpunkt zeigt, dass wir ein Kind der Siebziger-Jahre sind“, so Eckerstorfer. Viele Chöre aus der Region Rohrbach melden sich, um bei der Jugendmesse mitzumachen. Oft werden dabei aktuelle Pophits gesungen, die mit anderen Texten unterlegt werden. „Das wirkt bei den Jugendlichen, wenn sie sehen, dass ihre Welt ernst genommen wird“, sagt Eckerstorfer. Die Frohe Botschaft kommt besser an, wenn sie von den Jugendlichen in ihrer Sprache formuliert wird. „Früher hat man gedacht, nur der Pfarrer ist dazu da, die Frohe Botschaft mundgerecht aufzubereiten. Das funktioniert aber heute nicht mehr.“
Junggebliebene. Ansprechend finden die Jugendgottesdienste aber auch jene, die nicht mehr in die Kategorie „Jugendlich“ fallen. Viele Eltern begleiten ihre Söhne und Töchter in die Jugendmesse, nicht wenige 60-Jährige, die sich in Schlägl unter das junge Volk mischen. Viele von ihnen sind seit den Anfängen dabei. „Jeder ist willkommen, lautet die Devise“, erklärt Jakob Eckerstorfer. „Einzige Voraussetznug mitzufeiern ist, dass unsere Gottesdienstbesucher/innen auf Überraschungen gefasst sein müssen. Wer sich nicht abschrecken lässt, der ist dabei.“