Kopf der Woche: Desmond Tutu, anglikanischer Alterzbischof
Ausgabe: 2009/24, Kopf der Woche, Desmond Tutu, anglikanischer Alterzbischof, Friedensnobelpreisträger, Ehrendoktor, Befreiungstheologe , Universität Wien, Versöhnung, Apartheit, Südafrikanischer Kirchen, Lesotho, Bischof von Johannesburg
10.06.2009
- Susanne Huber
Für seinen Einsatz gegen die Apartheid in Südafrika hat Desmond Tutu 1984 den Friedensnobelpreis erhalten. Am 12. Juni wird der anglikanische Alterzbischof für seine Leistungen um die Entwicklung der Befreiungstheologie mit der Ehrendoktorwürde der Universität Wien ausgezeichnet.
Desmond Tutu hat ohne Zweifel eine zentrale Rolle zur Überwindung der Apartheid in Südafrika gespielt. Geweckt wurde sein politisches Bewusstsein während seiner Lehrertätigkeit von 1954 bis 1958. In dieser Zeit verordnete die südafrikanische Regierung per Gesetz, dass schwarze Schüler schlechter ausgebildet werden sollten als weiße. Tutu konnte das mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. So gab er seinen Beruf als Lehrer auf, um 1961 anglikanischer Priester zu werden. Im Laufe der Jahre lebte Tutu, der verheiratet ist und vier Kinder hat, abwechselnd in London und Südafrika. Von 1976 bis 1978 war er Bischof von Lesotho, 1985 Bischof von Johannesburg. Im darauffolgenden Jahr wurde er zum Erzbischof geweiht.
Für Versöhnung. Seit Beginn der 70er Jahre setzte sich Desmond Tutu unermüdlich für die Abschaffung der Apartheid und für die Versöhnung der Völker Südafrikas ein. So wurde er zur Symbolfigur der Schwarzen. Als er 1978 Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrats wurde, ermöglichte ihm das, auch weltweit auf die dramatische Lage Südafrikas hinzuweisen. Der internationale Druck auf seine Heimat nahm mehr und mehr zu und führte schließlich 1990 zur Beendigung der Rassentrennung. Der charismatische Tutu gilt als einer der weltweit bedeutendsten Theologen, der die klassische Befreiungstheologie („Ubuntu“-Theologie) international etablierte. Auf Antrag der Evangelisch-Theologischen Fakultät erhält er dafür am 12. Juni das Ehrendoktorat der Universität Wien.
Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu: „Es gibt nichts, was die Regierung tun könnte, um mich abzuhalten, das zu tun, von dem ich glaube, dass Gott es von mir verlangt. Ich kann es nicht ändern: Wenn ich Ungerechtigkeit sehe, kann ich nicht ruhig bleiben.“