Mit 15 Jahren ist für viele die Ausbildung nicht so wichtig. Wer später eine höhere Schulbildung haben möchte, muss sich sehr anstrengen, auch wenn gilt: Es ist nie zu spät!
Sonja Chan hat die Tagesschule abgebrochen, weil sie zum zweiten Mal die sechste Klasse wiederholen hätte müssen. „Mir war damals die Ausbildung nicht so wichtig“, gesteht sie. „Die Schule war eher eine Ausrede, dass ich nicht arbeiten muss!“ Als sie realisiert hat, dass es ohne Lernen doch nicht geht, war es zu spät dafür, das Versäumte nachzuholen. Sie hat sich dann für eine Lehrstelle als KFZ-Mechanikerin beworben, wurde aber nicht genommen. Gleichzeitig ist ihr klar geworden, dass sie die Matura machen möchte, weil sie sich damit bessere Berufsaussichten erhofft.
Anderer Rhythmus. Im Internet hat sie das Abendgymnasium entdeckt. Sonja Chan hat sich dafür entschieden, „weil man doch mehr lernt und der Wissensdurst gestillt wird“. Sie ist überzeugt davon, dass sie damit gut auf die Universität vorbereitet wird. Dafür geht sie von Montag bis Freitag zur Schule – von 18.45 bis 22 Uhr. Um 22.30 kommt sie heim. Der ganze Tagesrhythmus hat sich damit geändert. „Es war zuerst angenehm, nicht um sieben Uhr aufstehen zu müssen“, erzählt Frau Chan. „Aber wenn man die Tagesschule gewöhnt ist, lässt die Konzentration um 17 Uhr nach.“ Am Samstag arbeitet sie als Kassierin. Ausgehen unter der Woche ist nicht möglich.
Keine Frage des Alters. Sonja Chan ist im zweiten von neun Semestern eingestiegen. Inzwischen dauert die Schule nur noch acht Semester. Noten aus Oberstufenjahren werden angerechnet. Wer als letzten Schulabschluss die Hauptschule gemacht hat, steigt im ersten Semester ein. Mit ihren damals 17 Jahren war Sonja Chan eine der Jüngsten in ihrer Klasse.
Kostenlos. Das Abendgymnasium ist eine öffentliche Schule und damit die einzige Möglichkeit in Oberösterreich für Erwachsene, kostenlos zur AHS-Vollmatura zu kommen. Es kann auch im Fernstudium absolviert werden.