11. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 14. Juni 2009
Ausgabe: 2009/24, Vom Kleinen zum Großen, Bäumchen pflanzen, Vertrauen, Karina Neuhofer, Katholische Jugend, Messteam, Markus, Sonntag, Evangelium, Lesung, Vertrauen beflügelt, Wort zum Sonntag, 11. Sonntag im Jahreskreis
10.06.2009
Ein Bäumchen pflanzen und mit seinem Schatten rechnen bedeutet Vertrauen. Vertrauen, dass es wachsen kann, dass Erde, Sonne, Regen das Nötige tun – und Vertrauen auf Gott, dass er es wachsen lässt. Es gibt genug Dinge, die Menschen nicht zur Gänze in ihrer Hand haben. Anderen zu vertrauen, Gott zu vertrauen, zu glauben, kann befreien und beflügeln.
Evangelium
Mk 4, 26–34
Er sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst, und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da. Er sagte: Womit sollen wir das Reich Gottes vergleichen, mit welchem Gleichnis sollen wir es beschreiben? Es gleicht einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste von allen Samenkörnern, die man in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann geht es auf und wird größer als alle anderen Gewächse und treibt große Zweige, so dass die Vögel des Himmels nisten können. Durch viele solche Gleichnisse verkündete er ihnen das Wort, so wie sie es aufnehmen konnten. Er redete nur in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern aber erklärte er alles, wenn er mit ihnen allein war.
1. Lesung
Ez 17, 22–24
So spricht Gott, der Herr: Ich selbst nehme ein Stück vom hohen Wipfel der Zeder und pflanze es ein. Einen zarten Zweig aus den obersten Ästen breche ich ab, ich pflanze ihn auf einen hoch aufragenden Berg. Auf die Höhe von Israels Bergland pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder. Allerlei Vögel wohnen darin; alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten ihrer Zweige. Dann werden alle Bäume auf den Feldern erkennen, dass ich der Herr bin. Ich mache den hohen Baum niedrig, den niedrigen mache ich hoch. Ich lasse den grünen Baum verdorren, den verdorrten erblühen. Ich, der Herr, habe gesprochen, und ich führe es aus.
2. Lesung
2 Kor 5, 6–10
Wir sind immer zuversichtlich, auch wenn wir wissen, dass wir fern vom Herrn in der Fremde leben, solange wir in diesem Leib zu Hause sind; denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende. Weil wir aber zuversichtlich sind, ziehen wir es vor, aus dem Leib auszuwandern und daheim beim Herrn zu sein. Deswegen suchen wir unsere Ehre darin, ihm zu gefallen, ob wir daheim oder in der Fremde sind. Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.
Vertrauen
Vertrauen, mit dem Frühling rechnen undauf Blüten warten.
Vertrauen, das Samenkorn in der Erde versenken unddie Scheune vorbereiten.
Vertrauen, einen Baum pflanzen undmit seinem Schatten rechnen.
Vertrauen, einem Kind das Leben schenken und ihm das Leben überlassen.
Vertrauen, das Wort Gottes hören unddanach sein Leben gestalten.
Wort zum Sonntag
Vertrauen beflügelt
„Wenn die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel!“ (Johann Wolfgang von Goethe) Mit einem Samenkorn ist es genauso. Es ist zu Beginn klein und zart. Der Bauer wird es säen, düngen und umsorgen. Dass es dann schließlich in die Höhe wächst, darauf muss der Sämann vertrauen: dass das Korn stark genug ist und die Erde, die Sonne und der Regen das Nötige dazu tun. Damit es reiche Frucht bringt „und es wächst, und der Mann weiß nicht wie“. Vertrauen spielt dabei in zweierlei Hinsicht eine Rolle: das Vertrauen in das Kind oder in das Samenkorn – dass es wachsen kann und das Vertrauen auf Gott – dass er es wachsen lässt. Dieses Vertrauen hat die Fähigkeit zu beflügeln. Es beflügelt einerseits das Kind, das spürt, dass man ihm vertraut. Wie sonst würde ein kleines Kind jemals die Hand seiner Mama auslassen, wenn es gehen lernt? Doch nur weil die Mutter ihm das Gefühl gibt „das schaffst du schon“. Das Vertrauen in das Kind und auf Gott kann aber auch die Mutter beflügeln. Es wird die Mutter darin beflügeln das Kind gehen zu lassen, wenn es an der Zeit ist. Es wird es ihr leichter machen. „. . . denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende“ (vgl. 2. Lesung). Es gibt genug Dinge und Situationen, die wir nicht vorhersagen können, die wir nicht voll und ganz in der Hand haben, die wir nicht berechnen oder steuern können. Gestehen wir uns ein, auch einmal an etwas zu glauben, uns auf unser Gefühl zu verlassen, auf uns selber oder auf andere zu vertrauen, auf Gott zu vertrauen. Wir werden sehen, dass es uns beflügelt. Und befreit.
Zum Weiterdenken
Glaub an dich und mach einmal etwas, das du immer schon gerne gemacht hättest, aber dir noch nie zugetraut hast! Vielleicht brichst du Grenzen auf. Glaub an deine Mitmenschen und traue deinen Freunden, deinen Mitarbeitern zu, dass sie Aufgaben genauso gut erledigen können wie du! Vielleicht überrascht dich das Ergebnis. Glaub an Gott und vertraue darauf, dass der Glaube an ihn befreien kann! Vielleicht befreit er dich.
Karina Neuhofer ist Vorsitzende der Katholischen Jugend Oberösterreich, Mitglied im Messteam des Dekanates Ried im Innkreis und studiert Psychologie in Wien.