An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) wird meistens sehr praktisch und technisch gedacht. Einen gewissen Ausgleich finden manche in der Religionsmatura. 239 BHS-Schüler/innen sind es im heurigen Juni.
Vom „Massenfach“ ist Religion weit entfernt. Die Zahl der Religionsmaturant/innen an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ist jedoch stabil und „ähnlich hoch wie in vielen anderen Wahlfächern auch“, wie Mag. Willibald Burgstaller, Fachinspektor für die BHS, erzählt. 239 Schüler/innen lassen sich heuer im Fach Katholische Religion prüfen.
Sehr gut bis Befriedigend. Als Lernfach mit Inhalten will Religionsprofessor Mag. Anton Planitzer sein Fach positionieren. Bei einer Umfrage unter seinen Kolleg/innen hat der Braunauer HTL-Lehrer festgestellt, dass die Lernleistungen der Schüler/innen zufriedenstellend sind. Die Noten pendeln meistens zwischen Sehr gut und Befriedigend. „Das passiert natürlich, dass jemand sagt, ich muss etwas wählen, dann halt Religion. Aber das gibt es in anderen Fächern auch“, meint Fachinspektor Burgstaller. Wichtig sei, religiöses Wissen zu festigen, betont Anton Planitzer, für den die Religionsmatura aber keine dogmatische Abhandlung sein soll. Kirchliche Positionen müsse man kennen, nicht unbedingt ohne Widerspruch teilen, sagt er.
Für Beruf profitieren. Die angehende Kindergartenpädagogin Daniela Neumaier ist die Einzige in ihrer Klasse, die in Religion maturiert. Zweifel an ihrer Entscheidung hat die Linzer Bakip-Schülerin aber nicht. Neben spannenden Prüfungsthemen wie den Sieben Todsünden oder Kirche und Globalisierung sieht die 19-Jährige viele Vorteile für ihren künftigen Beruf: „Ich will den Kindern christliche Werte wie Liebe, Versöhnung und Teilen begreiflich machen “, sagt sie. Vieles sehe sie an der katholischen Kirche zwar kritisch, für sie sind Religion und Kirche aber generell „zwei Paar verschiedene Schuhe“. Werte sind auch für Michael Puttinger das ausschlaggebende Argument, in Religion zu maturieren. „Leider ist es vielen Menschen gar nicht bewusst, dass wir Religion ,leben‘: Die Sieben-Tage-Woche, der jährliche Feiertagskalender.“ Auch wenn er nicht mit allen kirchlichen Überzeugungen übereinstimme, präge ihn Religion stark und interessiere ihn einfach sehr. Für Lisa Maria Voggenberger, Absolventin der HTL-Braunau, war Religion überhaupt eines der Lieblingsfächer. „Weil sonst der menschliche Aspekt außen vor geblieben wäre“, betont sie. Dass auch den Lehrern etwas ohne Religion abgehen würde, weiß Willibald Burgstaller: „Bei der Religionsmatura ist es immer am ruhigsten. Da lauschen alle gespannt.“