Brasilien: Ein Projektpartner der Dreikönigsaktion wurde am 15. Juni ermordet
Ausgabe: 2009/26, Trauer, brasilianischer Pater, Dreikönigsaktion, Projektpartner, Brasilien, Pater Gisley, Jugendpastoral, Fernando Neves, Ordensmann, Ermordung, Dorothy Stang, Amazonasgebiet, Gewalt, Morde
24.06.2009
- Interview: Susanne Huber
Gisley Azevedo Gomes war bekannt für seinen Einsatz gegen Gewalt in Brasilien. Nun ist der Ordensmann der Stigmatiner und Projektpartner der Dreikönigsaktion selbst Opfer eines Raubmordes geworden. Tief bestürzt über seinen Tod ist auch Fernando Neves. Der Soziologiestudent hat des Öfteren mit Pater Gisley in der Jugendpastoral Brasiliens zusammengearbeitet.
Der Mord an Pater Gisley löste nicht nur in Brasilien, sondern auch in Österreich Betroffenheit aus. Können Sie Näheres zum Tathergang berichten? F. Neves: Derzeit wird noch ermittelt. Fest steht, dass es Raubmord war. Dabei ist Pater Gisley mit drei Schüssen niedergestreckt worden. Ein Jugendlicher wurde danach mit dem gestohlenen Auto von Pater Gisley erwischt. Daraufhin hat man drei Verdächtige gefasst, die nun in Untersuchungshaft sitzen. Aber es ist noch nicht gewiss, wie viele Leute tatsächlich an dem Mord beteiligt waren. Die Tat geschah in der Hauptstadt Brasilia, im Distrikt Brazlandia, einer so genannte Satellitenstadt im peripheren, ärmeren Gebiet um Brasilia.
Pater Gisley hatte eine Kampagne gegen die Gewalt in seinem Land geplant. Was genau hatte er vor? F. Neves: In Brasilien sind Gewalt und Morde an Jugendlichen und durch Jugendliche stark verbreitet. So hatte er zuletzt gemeinsam mit der Jugendpastoral an einem Projekt mit dem Titel „Gegen die Gewalt und gegen die Ermordung von Jugendlichen“gearbeitet. Die Kampagne steht erst am Beginn, soll aber auch nach dem tragischen Tod von Pater Gisley so bald wie möglich fortgeführt werden. Die grundsätzliche Idee war, die Frage der Gewalt, die Komplexität der Gewalt in der brasilianischen Gesellschaft zu diskutieren und auch alles, was mit Gewalt verbunden ist, zu thematisieren.
Was zum Beispiel? F. Neves: Die Frage der Gewalt hat mit vielen anderen Bereichen zu tun, beispielsweise mit der Polizei, mit dem Drogenhandel, der Armut, den sozialen Ungleichheiten, mit Korruption. Das Thema Gewalt ist in Brasilien allgegenwärtig und über das ganze Land verteilt, wobei die großen urbanen Zentren besonders betroffen sind. Man kann sagen, dass fast alle brasilianischen Familien darunter leiden. Außerhalb Brasiliens Grenzen erfährt man über die Medien nur etwas von den berühmten Fällen wie eben Pater Gisley oder etwa Dorothy Stang, die im Amazonasgebiet ermordet wurde. Doch solche Gewalttaten passieren hier täglich. Dagegen wollte Pater Gisley etwas unternehmen.
Sie haben den Ordensmann ja gekannt. Was war das Besondere an seiner Persönlichkeit? F. Neves: Er war ein Mensch, der Unterschiede respektiert hat und der, wenn es darum ging, etwas anzupacken, auch sehr darauf bestanden hat, es umzusetzen. Pater Gisley wurde in Morrinhos im Bundesstaat Goias geboren und war seit 2005 Priester. Er gehörte dem Orden der Stigmatiner an. Wir haben uns vor vier Jahren im Haus der Jugend in Goiania, dem Jugendzentrum der Jesuiten, kennen gelernt. Dort waren wir beide immer wieder anwesend und haben an Projekten gearbeitet. Ich verliere einen großen Begleiter der Katholischen Jugend und damit auch der Kirche in Brasilien, die agiert, auch politisch aktiv ist und eine andere Welt möglich machen will.
- Informationen zur Dreikönigsaktion finden Sie unter: www.dka.at