13. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 28. Juni 2009
Ausgabe: 2009/26, Brot, Rosen, 13. Sonntag im Jahreskreis, Karina Neuhofer, Paulus, Evangelium, Lesung, Korinth, Spenden, Wohlstand, Ausgleich, Wort zum Sonntag, Verzicht, faire Arbeitsbedingungen, Jean Ziegler, Notleidende, ungerechte Löhne, faires Wirtschaftssys
24.06.2009
Wer denkt bei Paulus nicht gleich an die großen Dinge, die er geleistet hat? Was er auch tat: Spenden sammeln! Er wusste um die Notleidenden in der einen Gemeinde und um Wohlhabende in der Gemeinde in Korinth und wollte einen Ausgleich schaffen, damit es allen gut gehen kann (vgl. 2. Lesung). „Im Bewusstsein unseres Wohlstandes ist es für uns selbstverständlich, diesen durch Selbstbesteuerung zu teilen.“ Paulus hätte damals sicher seine helle Freude gehabt mit der „Aktion Teilen“!
1. Lesung
Weish 1, 13–15; 2, 23–24
Denn Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Zum Dasein hat er alles geschaffen, und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt. Kein Gift des Verderbens ist in ihnen, das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde; denn die Gerechtigkeit ist unsterblich. [. . .] Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt, und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
2. Lesung
2 Kor 8, 7. 9. 13–15
Wie ihr aber an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen. [. . .] Denn ihr wisst, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen. [. . .] Denn es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft; es geht um einen Ausgleich. Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss einmal eurem Mangel abhilft. So soll ein Ausgleich entstehen, wie es in der Schrift heißt: Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig, hatte nicht zu wenig.
Evangelium
Mk 5, 21–43
Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jairus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt. Sie war von vielen Ärzten behandelt worden und hatte dabei sehr zu leiden; ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben, aber es hatte ihr nichts genutzt, sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden. Sie hatte von Jesus gehört. Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand. Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Sofort hörte die Blutung auf, und sie spürte deutlich, dass sie von ihrem Leiden geheilt war. Im selben Augenblick fühlte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausströmte, und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte: Wer hat mein Gewand berührt? Seine Jünger sagten zu ihm: Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen, und da fragst du: Wer hat mich berührt? Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte. Da kam die Frau, zitternd vor Furcht, weil sie wusste, was mit ihr geschehen war; sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. Er aber sagte zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein. Während Jesus noch redete, kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten (zu Jairus): Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur! Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum!, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf! Sofort stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen. Doch er schärfte ihnen ein, niemand dürfe etwas davon erfahren; dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.
Gebt uns Brot, doch gebt die Rosen auch!
Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns ein bess’rer Tag. Die Frauen, die sich wehren, wehren aller Menschen Plag. Zu Ende sei, dass kleine Leute schuften für die Großen Her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen! Brot und Rosen!
Aus dem Lied „Brot und Rosen“, entstanden 1912 bei einem Streik von TextilarbeiterInnen in Lawrence, USA. Der Streik richtete sich gegen die Hungerlöhne und die Kinderarbeit.
Wort zum Sonntag
Es geht um Ausgleich!
Es gibt eine Aktion der Katholischen Jugend Oberösterreich, die sich „Aktion Teilen“ nennt. Diese Selbstbesteuerungsaktion besticht meines Erachtens vor allem durch einen Satz in der Beschreibung ihres Anliegens: „Im Bewusstsein unseres Wohlstandes ist es für uns selbstverständlich, diesen durch Selbstbesteuerung zu teilen.“ (aus dem Selbstverständnis der „Aktion Teilen“). Es muss uns bewusst sein, in welchem Reichtum wir uns befinden. Und es muss uns bewusst sein, dass dieser Reichtum direkt zusammenhängt mit der Armut anderer. Anderer Länder. Anderer Menschen. Aus diesem Bewusstsein heraus besteuern die Mitglieder der „Aktion Teilen“ ihr Einkommen selbst und selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit zeugt auch davon, dass sie es nicht als gegeben ansehen, dass manche Menschen in die Armut hineingeboren werden. Sie sehen es viel mehr als gegeben an, dass wir gegen die ungerechte Güterverteilung in unserer Welt ankämpfen müssen. Nicht aus Güte. Sondern mit einer Selbstverständlichkeit. Jean Ziegler (UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, 2000–2008) formuliert diese Relation zwischen Armen und Reichen noch etwas anders: „Es geht nicht darum, den Ländern der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen.“ Es geht um gerechte Löhne. Es geht um faire Arbeitsbedingungen. Es geht um ein faires Wirtschaftssystem. Es geht um Brot für jede/n. Und um Rosen. Für jede/n.Es geht nicht darum, dass wir selber in Not geraten um anderen zu helfen. Aber es geht eben auch nicht darum, dass andere in Not geraten für uns. Oder für unseren Reichtum. Es geht um einen Ausgleich. Und die Anregung dazu in der 2. Lesung zu finden, ist sehr schön. Die Aufforderung aus meinem Glauben heraus.
Zum Weiterdenken
Ist es ‚Verzicht‘, wenn wir auf mehr Kleidung verzichten und stattdessen fair gehandelte Produkte kaufen? Oder ist es ‚Verzicht‘, wenn andere Menschen auf faire Arbeitsbedingungen verzichten (müssen), damit wir uns mehr Kleidung leisten können?
Karina Neuhofer ist Vorsitzende der Katholischen Jugend Oberösterreich, Mitglied im Messteam des Dekanates Ried im Innkreis und studiert Psychologie in Wien.