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01.07.2009
- Hans Baumgartner
Vor 50 Jahren wurde er an seinem Namenstag zum Priester geweiht. Seit 16 Jahren ist Dr. Paul Iby Bischof von Eisenstadt. Die Liebe vermag alles, sie hält alles aus. Sie ist die Größte. So schreibt der Apostel Paulus im Korintherbrief. Als Bischof Paul Iby am 24. Jänner 1993 zum Bischof geweiht wurde, nahm er den Wahlspruch „Alles in Liebe tun“ mit auf den Weg. Schon als Ministrant, so erzählt er, hatte er – angeregt durch das Beispiel seines Pfarrers in Raiding – den Gedanken, als Priester Mittler zwischen Gott und den Menschen zu sein. „Es war die Grunderfahrung, dass wir in der Liebe Gottes geborgen sind“, sagt er. Als ihn dann eine geistliche Schwester im Schülerheim Mattersburg direkt darauf ansprach, ob er nicht Priester werden möchte, war das der letzte Anstoß, Ja zu dieser Erfahrung zu sagen.
Anders als geplant. „Ich habe dann die damals übliche Laufbahn gemacht und freute mich nach der Priesterweihe auf die Seelsorge“, erzählt Iby. Nach zwei sehr erfüllten Jahren als Kaplan in Eisenstadt holte ihn Bischof László als Zeremoniär. „Damals“, meint Iby lachend, „ging man, wenn der Bischof rief. Außerdem habe ich mir gedacht, irgendwann komme ich schon wieder in eine Pfarre.“ Doch Iby wurde in der Folge Bischofssekretär, Caritasdirektor, Schulamtsleiter, Ordinariatskanzler und Generalvikar. „Ich hätte es gerne anders gewollt, aber man kann auch am Schreibtisch Priester sein, schon dadurch, wie man Menschen begegnet.“ Auf die Menschen zugehen und ihnen zuhören und den Seelsorgern ein Seelsorger sein, das versuche er auch als Bischof. „Das Amt drängt einen aber auch etwas ins Alleinsein“, bedauert Iby.
Bischof Dr. Paul Iby: „Die Konzilsjahre zählen zu den schönsten und spannendsten Erfahrungen in meinem Leben. Ich habe damals in Rom studiert und wir haben die Beschlüsse und Berichte vom Konzil geradezu aufgesogen. Noch lebendiger wurde für mich diese Erfahrung, als wir versucht haben, in der Diözese das Konzil umzusetzen.“
Ein Diener der Freude sein
Bischof Paul Iby zum 50. Priesterjubiläum: Dialog ist notwendig wie ein Stück Brot
Mit einer Begegnung in seiner Heimatpfarre Raiding und im Rahmen der jährlichen Pastoraltagung in Eisenstadt feiert Bischof Paul Iby sein 50-jähriges Priesterjubiläum.
Herr Bischof, was bewegt Sie, wenn Sie heute auf Ihre Diözese Eisenstadt sehen? Iby: Das sind sehr gemischte Gefühle. Einerseits freue ich mich über das rege christliche Leben in vielen Pfarren und über das große Engagement, das es bei uns noch in vielen Bereichen der Katholischen Aktion gibt: bei der Jungschar und Jugend, bei der wirklich starken Frauenbewegung und auch bei der Männerbewegung, die sich sehr bemüht, mit neuen Ideen auch jüngere Männer anzusprechen. Auf der anderen Seite aber ist auch bei uns der Priestermangel ein großes Problem. Wir können immer öfter Pfarren nicht mehr besetzen. Und wir haben viele Priester aus dem Ausland beschäftigt, wo manchmal die Integration, trotz unseres Bemühens, nicht so leicht ist. Dazu kommt, dass auch bei uns die Angst um die Arbeitsplätze zunimmt. Viele unserer Leute arbeiten ja in gefährdeten Industriebetrieben im Raum Wien und in der Steiermark.
Wie soll es in der Diözese weitergehen? Iby: Wir werden ab Herbst beginnen, das Konzept für Seelsorgeräume, das wir mit den Pfarren ausführlich diskutiert haben, umzusetzen. Dazu ist es notwendig, den Pfarrern und den Gemeinden auch Hilfestellungen anzubieten, damit sie lernen, in Teams gut zusammenzuarbeiten. Ein großes Anliegen ist mir auch, so etwas wie ein Netzwerk für junge Familien aufzubauen, wo sie sich in Runden treffen und sich selber in Fragen der Erziehung, des Lebens und des Glaubens stärken. Es gibt heute viele Probleme in den Familien – und die werden durch die Wirtschaftskrise nicht weniger. Ein für mich immer drängenderes Probem ist auch, wie wir als Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen umgehen. Da sind Grenzen gesetzt, unter denen manche wirklich sehr leiden.
Was hat in dieser und in anderen Fragen der „Dialog für Burgenland“ gebracht? Hat er sich denn gelohnt? Iby: Was die sogenannten „heißen Eisen“ angeht (Frauendiakonat, Zölibat, Wiederverheiratete u. a.) sind wir von Rom sehr deutlich auf die weltkirchlichen Regeln hingewiesen worden. Für mich war schon enttäuschend, wie man das ehrliche Bemühen, auf die Sorgen und Anliegen der Menschen hinzuhören, missverstanden hat. Auf der anderen Seite hat der zwischen 1999 und 2004 laufende Dialog für das Burgenland eine große Dynamik in unsere Diözese gebracht. Es gab viele Begegnungen und Gespräche innerhalb der Kirche, aber auch mit Politik, Wirtschaft oder Kunst. Erst kürzlich schrieb mir eine Frau, was damit in ihrer Gemeinde angestoßen wurde. Für mich ist die wichtigste Frucht dieses Prozesses: Wir brauchen den Dialog in der Kirche und in der Gesellschaft so notwendig wie ein Hungernder ein Stück Brot. Nur so kommen wir einander näher, nur so lernen wir uns anzunehmen und auch auszuhalten, nur so können wir Sauerteig für die Welt sein.
„Priester im Spannungsfeld der Zeit“ ist das Thema der Pastoraltagung, bei der auch Ihr Jubiläum gefeiert wird. Warum das Thema? Iby: Zunächst einmal war der Gedanke, was ich zu meinem Priesterjubiläum tun soll. Nur feiern wollte ich nicht. Da habe ich vorgeschlagen, für unsere jährliche Pastoraltagung etwas zum Priestersein zu machen. Angeregt dazu hat mich auch das Buch „Diener der Freude“ von Kardinal Walter Kasper. Da ist sehr viel drinnen, was mir als Bischof sehr am Herzen liegt und was dann doch immer wieder zu kurz kommt – nämlich das Ermutigen und Motivieren von Priestern und Laienmitarbeiter/innen. Dabei mithelfen, dass diese trotz aller Mühe Diener/innen der Freude sein können, das ist für mich ein zentraler Auftrag des Bischofsamtes. Ich bin sehr froh, dass Kardinal Kasper zu unserer Tagung kommt – und auch eine ganze Reihe von Bischöfen, mit denen ich durch die Fokolar-Bewegung befreundet bin. Ich hoffe, es wird ein „Dienst an der Freude“ für alle Teilnehmenden.